Liberale Partei erkennt Niederlage an und lässt Anhänger zur Wahlnacht in Lichtbogen aus Kerzen vor dem Obersten Wahlgericht ausrücken
Die Partei des unterlegenen Kandidaten Flávio Bolsonaro hat sich mit einer beispiellosen Trauerzeremonie von der Stichwahl verabschiedet, bei der 3.112 Anhänger vor dem Gerichtsgebäude in Brasília eine Kerzenlinie bildeten.
Die rechtsgerichtete Liberale Partei hat ihre Niederlage bei der Stichwahl mit einer Trauerprozession eingeräumt, die sich über fast vier Kilometer durch das Zentrum von Brasília erstreckte. Bereits am frühen Morgen hatten Parteihelfer 3.112 weiße Kerzen entlang der Esplanada dos Ministérios aufgestellt, jede einzeln in Sand gesteckt, damit der Wind sie nicht auslöschen konnte. Den Zug führte der Parteivorsitzende persönlich an, in einem schwarzen Anzug und mit einem Schild, auf dem stand: «Wir erkennen an, was wir nicht anerkennen können.»
Die Parteiführung teilte mit, man erkenne das vom Obersten Wahlgericht verkündete Ergebnis an, müsse die vorgebrachten Bedenken aber angemessen klären. Um dieser Pflicht gerecht zu werden, wurde ein eigener Ausschuss gegründet, der seit Dienstag jeden Stimmzettel mit einer Lupe begutachtet. Bislang hat der Ausschuss 214.006 Zettel durchgesehen, ohne einen Fehler zu finden, was nach Angaben der Partei «den Verdacht nur verfestigt». Das Gremium tagt in einem Zelt auf dem Parkplatz des Gerichts, weil die Räume im Gebäude für die Akten nicht mehr ausreichen.
Die Auswirkungen reichen bis in den Alltag der Hauptstadt. Eine Konditorei gegenüber dem Wahlgericht musste ihr Sortiment auf Brot umstellen, weil die Parteimitglieder Kuchen als Zeichen der Versöhnung ablehnen. Der Verkehr kam am Mittwoch fast eine Stunde zum Stillstand, als die Kerzen nach Angaben der Feuerwehr erneut angezündet werden mussten. Parteisprecher erklärten, die Trauer werde bis zur Vereidigung Lulas fortgesetzt, und man rechne mit einer weiteren Kerzenlinie am Sonntag.
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