Eisenkot lässt Israels Parlament im Kreis tagen, bis die Mehrheit im Uhrzeigersinn umläuft
Nach der Wahl in Israel verordnet Oppositionsführer Gadi Eisenkot eine Dauerdebatte im Kreis, bis sich eine Koalition ergibt. Netanjahus Likud bleibt stärkste Kraft.
Oppositionsführer Gadi Eisenkot hat am Mittwoch angeordnet, dass die Abgeordneten der Knesset bis zur Bildung einer neuen Regierung ununterbrochen im Kreis gehen. Die Anordnung gilt für alle 120 Mandatsträger, die Mitarbeiter der Parlamentsverwaltung eingeschlossen. Ein Sprecher seiner Partei Jaschar erklärte, der Kreis sei „der ehrlichste Ort der Politik, denn wer im Kreis geht, kommt nirgendwo an, aber er bleibt immerhin beisammen“.
Der Kreis mit einem Durchmesser von rund vierzig Metern wurde am Dienstagabend auf dem Vorplatz des Parlaments in Jerusalem mit weißer Farbe markiert. Am Morgen mussten Eisenkot zufolge 18 Parkbänke, zwei Springbrunnen und ein Bushaltestellenhäuschen weichen. Die Stadtverwaltung hat den Abriss genehmigt, nachdem Eisenkots Büro drei Stunden lang um Verständnis gebeten hatte.
Netanjahus Likud-Partei kritisierte die Maßnahme scharf, ließ aber mitteilen, man werde den Kreis zunächst gegen den Uhrzeigersinn umrunden. Ein Likud-Abgeordneter, der nach eigenen Angaben seit dem Morgen 14 Runden absolviert hat, sagte: „Wir haben die Mehrheit im Parlament verloren, aber nicht den Schwung.“ Die arabischen Parteien, die laut Prognosen den Ausschlag geben könnten, sind bisher nicht eingeladen worden. Ihre Abgeordneten laufen den Kreis nach Auskunft eines Sprechers gleichwohl mit, weil der Kreis, so der Sprecher, „niemanden ausschließt, der die Strecke kennt“.
Die Knesset-Verwaltung rechnet damit, dass ein vollständiger Umlauf der Gruppe etwa elf Minuten dauert. Für die kommende Woche sind deshalb zusätzliche Wasserstationen am Kreis vorgesehen, und das Ausschusssekretariat hat eine Schichtplanung für die Nachtstunden erstellt. Eisenkot will die Runden erst beenden, wenn eine Koalition steht, die sich auf drei Grundsätze einigt, die er vor Anhängern genannt hatte.
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