Bundesrat stellt Bundespräsidenten-Kandidaten per Stafettenlauf vor
Die Union kürt ihre Präsidentschaftskandidatin nicht am Verhandlungstisch, sondern auf einer 412 Kilometer langen Staffelstrecke von Berlin nach Bayern.
Die CDU hat ihre Entscheidung über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier am Mittwoch auf einer Staffelstrecke fallen lassen: Vier Parteifunktionäre trugen einen versiegelten Umschlag von Berlin über Erfurt und Nürnberg bis ins Münchner Konrad-Adenauer-Haus, wo die Kandidatin erst bei Ankunft erfahren sollte, ob sie gemeint war. Die Strecke misst 612 Kilometer und wurde vom Präsidium in einer eigens einberufenen Sitzung festgelegt.
Parteisprecher Henning Rautenberg erklärte, man wolle damit die Ernsthaftigkeit des Verfahrens unterstreichen. «Wer das höchste Amt tragen will, muss bereit sein, den Weg bis zum Ende zu laufen», sagte er. Die Läufer wurden von Sanitätern des Roten Kreuzes begleitet, die Route von der Bundespolizei gesperrt. Im Bundestag blieb die Fraktion wegen der Verkehrsbehinderungen zwei Stunden ohne Abstimmung.
Die CSU reagierte mit einer eigenen Staffel. Sie startete zeitgleich in Passau und soll Ilse Aigner den Umschlag entgegentragen, falls sie als Erste die Ziellinie überquert. Landtagspräsidentin Aigner trainiert seit Montag täglich drei Stunden auf dem Gelände des Maximilianeums und hat ihren Terminkalender bis Januar gestrichen.
Ines Claus wartete unterdessen im Hessischen Landtag auf ihren Läufer. Ob sie sich durch die Strecke für das Amt qualifiziert hat, werde man nach der Zieleinfahrt entscheiden, teilte die Partei mit. Die Neuwahl des Bundespräsidenten findet am 30. Januar statt, die Vorbereitungen für die Ziellinie sind inzwischen Teil des Haushalts der Bundestagsverwaltung.
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