Baden-Württemberg verschickt Straftäter per Fußmarsch: Ministerium lässt 2.300 Kilometer zu Fuß nach Kabul gehen
Das Migrationsministerium in Stuttgart ordnet an, dass ausreisepflichtige Straftäter nicht mehr im Flugzeug, sondern zu Fuß in ihr Heimatland gebracht werden.
Das baden-württembergische Ministerium für Migration hat angeordnet, dass ausreisepflichtige Straftäter künftig nicht mehr per Charterflug, sondern zu Fuß nach Afghanistan gebracht werden. Die erste Gruppe von zehn Männern verließ am Montagmorgen das Abschiebungshaftzentrum Pforzheim in Richtung Osten, begleitet von einer Kolonne aus 63 Bundespolizisten auf Fahrrädern.
Staatssekretär Siegfried Lorek (CDU) erklärte, die Entscheidung folge einer Logik der Effizienz: «Der Flugverkehr nach Kabul ist knapp kontingentiert. Die Strecke zu Fuß ist dagegen frei verfügbar, und wir haben festgestellt, dass sie in unserem Ressort bisher niemand genutzt hat.» Für die Route wurde ein eigenes Wegedezernat eingerichtet, das seit drei Wochen Etappenorte zwischen Pforzheim, Wien, Istanbul und Herat kartiert.
Das Ministerium rechnet mit einer Gehzeit von etwa vier Monaten pro Gruppe. Um die Versorgung entlang der Strecke sicherzustellen, wurden 144 Verpflegungsstationen in Auftrag gegeben, die nach dem Vorbild von Autobahnraststätten gebaut werden. Eine Wanderkarte aller Einreiseverbote für den Schengen-Raum wird jedem Abgeschobenen am Gürtel befestigt ausgehändigt.
Die Opposition im Landtag kritisierte den Plan als unverhältnismäßig. Lorek wies dies zurück: «Wer Straftaten begeht, muss das Land verlassen. Ob er dabei fährt oder läuft, ist eine Frage der Haushaltsdisziplin.» Bereits jetzt sind laut Ministerium 34 Männer im laufenden Jahr auf diesem Weg gestartet, wobei die Bundespolizei die Gruppen ab der Grenze zu Österreich begleiten soll.
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