Stadt Rostock verlegt Standesamt samt Brautpaaren auf die Ostsee-Fähre, bis der Hochzeitskran wieder steht
Weil der historische Hellingkran der ehemaligen Neptunwerft beschädigt ist, zieht die Hansestadt ihren gesamten Trauungsbetrieb auf einen Fährkutter um. Der zuständige Senator spricht von einer Übergangslösung mit Seegang.
Die Hansestadt Rostock hat ihr Standesamt am Dienstag vollständig auf den Fährkutter «Warnow II» verlegt, bis der beschädigte Hochzeitskran der ehemaligen Neptunwerft wieder sicher ist. Seit Mittwoch werden alle Trauungen auf dem Schiff vollzogen, das täglich zwischen Warnemünde und dem Stadthafen pendelt. Die Standesbeamten tragen dabei Schwimmwesten unter den Amtsroben.
Der zuständige Senator Chris von Wrycz Rekowski (SPD) erklärte, die Entscheidung sei nüchtern gefallen: «Wir können nicht warten, bis der Wind es erlaubt, und wir können keine Paare an Land vertrösten, die seit Monaten ihren Termin haben.» Für die Zeremonien wurden auf dem Kutter zwölf Stühle festgeschraubt, die Ringübergabe erfolgt bei Seegang nur noch im Sitzen. Die Stadt richtete eigens eine Warteliste für Brautpaare ein, die bei Wellenhöhe über einem Meter umgebucht werden.
Nach Angaben des Amts müssen Gäste ihre Hochzeitsfotos künftig mit Sicherheitsleine aufnehmen. Ein Fotograf habe bereits eine Seekrankheit überstanden, teilte die Verwaltung mit, ohne Namen zu nennen. Die Bauarbeiten am Kran sollen laut Plan bis Freitag abgeschlossen sein. Bis dahin verbringen die Trauungen auf dem Wasser ihre Nächte, Schlager auf dem Oberdeck und Sektempfang am Bug inklusive.
Das Einkaufszentrum auf dem Werftgelände blieb indes geöffnet, dort stehen nun Aufsteller mit der Aufschrift «Heiraten bitte am Kai». Die Geschäftsleute haben beschlossen, ihre Schaufenster auf Wellenhöhe zu dekorieren. Ob der Hellingkran danach wieder Trauungen aufnimmt, will die Stadt erst entscheiden, wenn ein Statiker das letzte Stahlseil abgenommen hat.
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