Israel stellt Wahlkampf auf Dauerbetrieb um: Parteien verbringen Wahlkampf in Schichten, rund um die Uhr
Um die Wahl am 27. Oktober sorgfältig vorzubereiten, haben die großen israelischen Parteien ihre Kampagnen in Schichtbetrieb gebracht. Erste Folgen für Krieg und Frieden sind bereits sichtbar.
Israels Parteien haben ihren Wahlkampf für die Abstimmung am 27. Oktober in einen Dauerbetrieb überführt, der nach Angaben der Wahlkommission seit Wochen ohne Unterbrechung läuft. Wahlkampfstäbe der großen Lager arbeiten in drei Schichten, Wahlkampfbüros bleiben auch nachts besetzt, und Plakatkolonnen rücken im Minutentakt aus. Die Parteien begründen den Schritt mit dem Umstand, dass laut Umfragen weder das Lager von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu noch die Opposition eine Mehrheit sicher erreichen dürfte.
Gadi Eisenkot, nach Umfragen stärkster Rivale Netanjahus, ließ am Montag in Tel Aviv verlauten: „Wer eine Regierung bilden will, muss auch jeden Haushalt zweimal besuchen, bevor er den Ort wieder verlässt.“ Seine Mitarbeiter haben deshalb ein Besuchsraster für alle 4.300 Wohnblöcke der Metropole angelegt, das bis Ende des Monats abgearbeitet sein soll. Im Lager Netanjahus setzt man auf Straßenfeste, bei denen die Parteiführung an jeder Kreuzung in Jerusalem einmal kurz erscheint.
Die Folgen reichen bereits weit über den Wahlkampf hinaus. Im Westjordanland stellen Behörden fest, dass Sicherheitskräfte inzwischen mehr Zeit mit der Begleitung von Wahlkampfkolonnen verbringen als mit der Kontrolle von Siedlungen. Im Gazastreifen wartet die Verwaltung seit Tagen auf einen Gesprächstermin, den beide Lager im Dauerbetrieb verschieben. Eine Expertin des Instituts für Sicherheitsstudien in Tel Aviv sagte, eine neue Regierung werde zunächst einmal einen Ausschuss zur Regelung des eigenen Wahlkampfs einrichten müssen.
Beobachter rechnen damit, dass auch die Verhandlungen mit dem Libanon, dessen Regierung die Entwaffnung der Hisbollah zugesagt hat, nach der Wahl weiter stocken. Ob ein Regierungswechsel die Zweistaatenlösung näherbringt, bleibt offen. Fest steht nur: In zwölf Tagen beginnt die Stimmabgabe, und wer bis dahin noch kein Wahlplakat an seiner Haustür gesehen hat, gilt in Israel inzwischen als verdächtig.
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