Bundesagentur verlegt gesamten Bürgerdienst in Mindestlohn-Schichten: Beamte arbeiten ab sofort im Stundentakt Vollzeit
Um den Lohnabstand zur Grundsicherung auch in der Verwaltung zu beweisen, hat eine Behörde ihre Mitarbeiter in eine Dauerschicht zum Mindestlohn versetzt.
Die Bundesagentur für Arbeit hat am Montag ihren gesamten Bürgerdienst auf Mindestlohn-Schichten umgestellt. Sämtliche Mitarbeiter arbeiten seither im Vollzeitmodus, Pausen sind auf zwei Minuten pro Schicht begrenzt, Urlaub gilt als Einkommensverzicht und wird nicht gewährt.
Behördenleiterin Ingrid Vollmer erklärte, man wolle den Lohnabstand nicht länger nur berechnen, sondern künftig vorleben. »Wir haben festgestellt, dass Arbeit sich lohnt. Also arbeiten wir jetzt alle, und zwar so, dass es sich wirklich lohnt, nämlich genau bis zur Grenze des Zumutbaren.« Die Verwaltung hat dafür eigens einen Stempelkasten im Foyer aufgestellt, der jede Minute gutschreibt.
Die Folgen zeigen sich bereits im Stadtbild. Im Kreis Gelsenkirchen müssen Antragsteller seit Dienstag vor der Behörde Schlange stehen, weil die Schalter nur noch im Zweiminutentakt besetzt sind. Ein Sicherheitsdienst regelt die Wartenden nach Lohnstufe. Wer noch Grundsicherung bezieht, wird ans Ende der Reihe geleitet, wo ein Schild mit der Aufschrift »Mehrarbeit lohnt sich« hängt.
Am Wochenende plant die Behörde, auch die Kantine auf Mindestlohnniveau umzustellen. Sie servieren ab sofort nur noch Eintopf, der nach dem Stundensatz berechnet wird. Ein Teller kostet 12,41 Euro, Nachschlag gibt es nicht. Die Gewerkschaft hat angekündigt, die Entwicklung zu beobachten.
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