Pendler auf der AKN-Strecke müssen sieben Wochen lang zu Fuß zur Arbeit – Ersatzverkehr wird per Kompanie geleistet
Die Bauarbeiten für die S5 nördlich von Hamburg zwingen die Fahrgäste der AKN zu einer beispiellosen Ersatzlösung: Die Eisenbahngesellschaft lässt die Pendler im Fußmarsch über die gesperrte Strecke führen.
Die Eisenbahngesellschaft AKN hat am Montag damit begonnen, die Fahrgäste auf der gesperrten Strecke zwischen Quickborn und Ulzburg Süd im geschlossenen Fußmarsch zu befördern. Ersatzbusse seien, so das Unternehmen, für die Dauer der siebenwöchigen Sperrung bis zum 12. Dezember nicht mehr vorgesehen. Stattdessen marschieren die Pendler in Dreierreihen über die Trasse, angeführt von einer eigens aufgestellten Ersatzkompanie.
Die Fahrzeit habe sich dadurch auf rund vier Stunden verlängert, teilte die Gesellschaft mit. Ein Sprecher erklärte: «Wir haben die Verbindung nicht abgeschafft, wir haben sie lediglich auf die Beine gestellt.» Für die Oberleitungsarbeiten, die für den künftigen elektrischen S-Bahnbetrieb auf der Strecke nach Kaltenkirchen erforderlich sind, wurden die Gleise zudem mit Schildern versehen, die den Marschweg markieren. Wer zu spät komme, werde im Anschluss an die Kolonne auf dem Bahnsteig in Ellerau nachgezählt.
Auch die Bahnhöfe der Umgebung haben sich der Lage angepasst. In Bönningstedt wurden für die Vollsperrung vom 16. bis zum 21. November zwei Wanderparkplätze eingerichtet, auf denen die Pendler vor dem Start ihre Rucksäcke packen. Die AKN plant ferner, die Bahnsteige in Quickborn künftig mit Gepäckkörben für den Weitertransport auszustatten. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte: «Die Anwohner haben sich bereits an die Kolonnen gewöhnt, viele grüßen inzwischen beim Vorbeimarsch.»
Ob das Modell über die Bauzeit hinaus beibehalten wird, ist offen. Die Gesellschaft prüft bereits, ob künftig auch der Schienenersatzverkehr auf anderen Linien nach demselben Prinzip organisiert werden kann. Erste Gespräche mit der Stadt Norderstedt laufen.
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