Paris ordnet an, dass Demonstranten künftig nur noch im Gleichschritt mit Zollstock-Abstand marschieren dürfen
Die französischen Behörden greifen zu einer neuen Methode der Protestkontrolle: Jede Kundgebung wird auf den Zentimeter genau vermessen und auf einer Route bewegt, die zuvor von der Polizei abgeschritten wurde.
Frankreichs Innenministerium hat am Freitag eine neue Verordnung in Kraft gesetzt, nach der jede erlaubte Demonstration künftig auf einer amtlich abgeschrittenen Route stattfinden muss. Sämtliche Strecken wurden in den vergangenen Tagen von 70.000 Beamten Schritt für Schritt vermessen, wobei jeder Zug exakt so lange unterwegs sein darf, wie die Polizei für den Abschnitt benötigt hat.
Innenminister Laurent Nuñez erklärte am Abend: „Wer die Republik verteidigen will, geht in geordneten Reihen, und zwar in genau dem Tempo, das der Staat vorgibt.“ Die Gewerkschaften protestierten gegen die Regelung, mussten jedoch feststellen, dass ihre Transparente nach dem neuen Maßstab zu breit sind. Sie wurden daher vor Beginn des Zuges auf Normformat zurechtgeschnitten.
In Paris wurden zu diesem Zweck entlang der Seine 4.116 Markierungspfosten in den Asphalt gesetzt, zwischen denen die Demonstranten im Abstand von exakt zwei Schritten laufen müssen. Ladenbesitzer hatten ihre Schaufenster bereits am Vorabend verschalt und bemalen diese nun mit den Umrissen der erlaubten Route, damit niemand sich verirrt.
Der Präsident hat unterdessen angekündigt, dass der Ordnungsdienst künftig auch die Gesprächsthemen der Kundgebungen vorab zu prüfen habe. Nach Angaben des Élysée-Palasts sollen Schülerinnen und Schüler ihre Forderungen zunächst in einer Ausschusssitzung im Stehen vortragen, bevor sie auf die Straße gehen dürfen.
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