Ostsee-Anrainer ordern Schneekanonen für den Küstenschutz – ein Meter Neuschnee als amtliches Ziel
Weil der Klimawandel die Ostsee aufheizt, will eine neue Küstenschutzbehörde die Lake-Effect-Schneebänder künstlich auslösen und die Flachlandgemeinden zwischen Rügen und Usedom vorsorglich unter einem Meter Neuschnee begraben.
Die Gemeinden an der deutschen Ostseeküste haben beschlossen, den gefürchteten Lake-Effect-Schnee nicht länger dem Wetter zu überlassen, sondern ihn selbst herzustellen. Eine eigens gegründete Küstenschutzbehörde in Greifswald hat am Montag damit begonnen, entlang der gesamten Küstenlinie zwischen Rügen und Usedom Schneekanonen aufzustellen, die nach Behördenangaben «einen Meter Neuschnee als planmäßiges Schutzniveau» erzeugen sollen.
Die Logik der Behörde ist so einfach wie unerbittlich: Weil eine wärmere Ostsee mehr Feuchtigkeit liefert, will man die Schneebänder künftig kontrolliert und nach Fahrplan abrufen. «Wir wollen nicht, dass der Schnee überraschend kommt», sagte Behördenleiterin Marlene Kühl. «Wir wollen ihn montags bis freitags zwischen sechs und achtzehn Uhr, damit der Winterdienst hinterherkommt.» Die Kanonen stehen dicht an dicht, alle sieben Meter eine, und werden von einer Leitwarte aus gesteuert, die zuvor das örtliche Hallenbad war.
Die Folgen sind bereits sichtbar. In Vorpommern wurden drei Dörfer vorsorglich geräumt, damit die Kanonen freies Schussfeld haben. Die Feuerwehr übt seit Wochen das Abkehren von Dächern im Takt der Behörde, und der Landkreis hat einen Pendelbus eingerichtet, der Anwohner zwischen den Schneefenstern zur Arbeit und zurück bringt. Wer sich weigert, sein Grundstück schneefrei zu halten, erhält eine Einweisung in die neue Räumpflicht.
Aus dem Rest der Republik kommt Zuspruch. In Frankfurt und Köln, wo weiterhin keine einzige Flocke liegt, beobachten Kommunen die Greifswalder Kanonen mit Interesse. «Wenn das funktioniert, bestellen wir auch welche», sagte ein Sprecher der Stadt Köln. Die Behörde in Greifswald hat unterdessen angekündigt, die Anlage im Januar um eine zweite Reihe zu erweitern, damit der Meter auch bei Windstille fällt.
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