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Wirtschaft

Tagesgeldzins-Rekord: Banken zahlen Sparern jetzt 4,25 Prozent – aber nur, wenn sie vorher umziehen

Deutsche Sparer erhalten Spitzenzinsen nur noch nach einem Umzug in die Filiale. Die Banken haben einen Wettbewerb um die höchsten Zinsen entfacht, der die Menschen buchstäblich auf die Straße treibt.

Die Tagesgeldzinsen in Deutschland haben eine neue Rekordmarke erreicht: Bis zu 4,25 Prozent zahlen Banken wie Revolut, Renault Bank und Chase – allerdings nur, wenn Sparer ihren Wohnsitz in die jeweilige Filiale verlegen. «Wir haben festgestellt, dass Kunden, die direkt neben dem Geldautomaten wohnen, seltener abwandern», sagte ein Sprecher der britischen Digitalbank Revolut. «Deshalb haben wir unsere Zinsangebote an die Meldeadresse gekoppelt.»

Die Folge ist ein Ansturm auf Innenstadtlagen. In Berlin, Frankfurt und München campieren Sparer vor den Filialen, um sich noch am selben Tag umzumelden. Die Deutsche Bank hat eigens ein Zeltdorf auf dem Vorplatz ihrer Zentrale errichtet, in dem Neukunden bis zur Aktivierung ihres Kontos kostenlos übernachten können. «Wir nennen es Zins-Camping», so ein Sprecher. «Wer drei Nächte bleibt, bekommt einen Bonus von 0,1 Prozentpunkten.»

Die Nachfrage hat den Immobilienmarkt in Bankennähe verändert. In Frankfurt sind die Mieten im Umkreis von 500 Metern um die Europäische Zentralbank um 40 Prozent gestiegen. Die Stadt hat eine Sondergenehmigung erlassen, wonach Wohnungen in Erdgeschossnähe zu Geldautomaten vorrangig an Tagesgeldkunden vergeben werden. «Wir prüfen derzeit, ob wir ganze Straßenzüge in Zins-Siedlungen umwandeln», sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums.

Doch nicht alle profitieren. Bestandskunden, die nicht umziehen wollen, erhalten weiterhin nur durchschnittlich 1,4 Prozent. «Das ist das neue Zinsgefälle», sagt Oliver Maier von Verivox. «Wer treu bleibt, zahlt drauf.» Die Banken haben angekündigt, die Aktion bis Jahresende fortzuführen – und möglicherweise auf Festgeld auszuweiten, dann allerdings mit einer Mindestwohndauer von zwei Jahren.

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