Spielbanken Baden-Württemberg stellen Roulette-Kessel auf Dauerbetrieb um, um Warnstreik-Gehälter zu erwirtschaften
Nach dem ersten Warnstreik in der Geschichte der landeseigenen Spielbanken reagiert die Geschäftsführung mit einem beispiellosen Angebot: Die Roulette-Kessel in Baden-Baden, Stuttgart und Konstanz laufen künftig rund um die Uhr, damit die geforderten 230 Euro Sonderzahlung pro Monat erwirtschaftet werden können.
Die Baden-Württembergischen Spielbanken haben als Reaktion auf den Tarifkonflikt mit Verdi angekündigt, sämtliche Roulette-Kessel an den Standorten Baden-Baden, Stuttgart und Konstanz ab sofort im Dauerbetrieb laufen zu lassen. „Wenn die Beschäftigten 230 Euro mehr im Monat wollen, dann müssen die Kugeln eben auch dann rollen, wenn die Gäste längst schlafen“, sagte Geschäftsführer Tobias Wald bei der Vorstellung des neuen Betriebskonzepts.
Die Dauerrotation beginnt jeweils montags um 4 Uhr morgens und endet sonntags um 3 Uhr nachts. In den verbleibenden 60 Minuten werden die Kessel von speziell geschulten Reinigungskräften mit Zahnbürsten von Staub und Fett befreit. „Wir haben errechnet, dass bei einer durchschnittlichen Einsatzhöhe von 17,40 Euro pro Spin und einer Auszahlungsquote von 97,3 Prozent genau 4.712 zusätzliche Drehungen pro Woche nötig sind, um die Lohnerhöhung für alle 550 Mitarbeiter zu erwirtschaften“, erläuterte Finanzdirektorin Helga Brunnhuber, die das Zahlenwerk persönlich am Küchentisch ihrer Wohnung in Stuttgart-Möhringen durchgerechnet hat.
Die Croupiers wurden angewiesen, im Schichtbetrieb von je elf Stunden zu arbeiten und während der Drehungen keine Gespräche mit Gästen zu führen, um die Umlaufgeschwindigkeit nicht zu beeinträchtigen. Verdi-Verhandlungsführer Frank Hawel zeigte sich überrascht von der Betriebsamkeit: „Wir wollten eigentlich nur über Geld reden, aber wenn die Arbeitgeber nun selbst die Kugeln tanzen lassen, sind wir gespannt, ob sie auch noch die Friedenspflicht bis 2027 einhalten können.“
Erste Auswirkungen zeigten sich bereits am Eröffnungsabend: Ein Rentner aus Gaggenau setzte versehentlich auf die falsche Zahl, weil ihm vom ständigen Kugelgeräusch schwindelig wurde, und verließ das Haus mit einem Gewinn von 3.200 Euro. Die Spielbanken werten dies als Beleg für die Wirksamkeit des neuen Modells.