Börsenprognose von 1876: Handelsblatt verlegt komplette Redaktion in den Keller, um Kurve aus dem 19. Jahrhundert täglich abzulaufen
Eine 150 Jahre alte Grafik sagt den Markt voraus – also hat das Handelsblatt seine gesamte Finanzredaktion in einen nachgebauten Börsensaal von 1876 versetzt und lässt sie die Kurve jeden Morgen zu Fuß ablaufen.
Die Finanzredaktion des Handelsblatts arbeitet ab sofort in einem originalgetreu nachgebauten Börsensaal von 1876 – mit Dampfheizung, Zylinderhüten und einer 34 Meter langen Kurve an der Wand, die jeden Morgen von der gesamten Belegschaft zu Fuß abgelaufen wird. Wer die Kurve schneller abläuft als der Markt sie zeichnet, darf eine Verkaufsempfehlung aussprechen.
Die Kurve stammt aus dem 19. Jahrhundert und sagt angeblich die Märkte präzise voraus. Für 2026 empfiehlt sie, Aktien zu verkaufen. Das Ressort hat daraufhin sämtliche Schreibtische entfernt und durch Laufbänder ersetzt, auf denen die Redakteure im Gleichschritt die historischen Kurvenpunkte abhaken. «Wir haben die Prognose wörtlich genommen», sagte der Ressortleiter. «Wenn die Kurve sagt, wir sollen verkaufen, dann laufen wir eben, bis sie es uns persönlich sagt.»
Die übrigen Ressorts mussten weichen: Das Feuilleton wurde in den Kopierraum verlegt, die Politikredaktion teilt sich jetzt mit dem Archiv einen Flur. Die Kantine serviert nur noch Eintopf, weil das 1876 auch so war. Besucher berichten, dass aus dem Keller bis in den vierten Stock ein rhythmisches Trampeln zu hören ist, unterbrochen von dem Ruf «Verkaufen!».
Für kommende Woche plant die Redaktion, die Kurve auf den Parkplatz zu verlegen und sie mit Kreide nachzuzeichnen, damit auch die Nachtschicht sie ablaufen kann. Die Druckausgabe erscheint weiterhin pünktlich – allerdings erst, nachdem die Kurve einmal vollständig durchschritten wurde.
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