Umspannwerk Dormagen richtet Dauerbrenndienst ein, um Bekennerbriefe persönlich zu empfangen
Nach dem jüngsten Angriff auf das Stromnetz in Dormagen hat das Umspannwerk einen eigenen Empfangsdienst für Bekennerschreiben eingerichtet. Die Beamten wollen künftig keine Vorrichtungen mehr finden, sondern die Drahtschützen persönlich begrüßen.
Das Umspannwerk in Dormagen hat auf den erneuten Sabotageversuch reagiert und einen rund um die Uhr besetzten Empfangsdienst eingerichtet, der künftig sämtliche Bekennerschreiben persönlich entgegennimmt. „Wir wollen nicht mehr, dass uns die Postboten die Briefe vor die Tür legen, wir wollen die Herren persönlich begrüßen und ihnen direkt einen Kaffee anbieten, während sie ihre Abschussvorrichtung montieren“, sagte der diensthabende Leiter der neuen Abteilung für Gäste mit Kupferdraht.
Die Beamten haben zu diesem Zweck am Werkszaun ein rotes Empfangszelt aufgestellt, in dem ein Gästebuch ausliegt und eine Kanne Kaffee auf einem Campingkocher warmgehalten wird. Ein Spaziergänger, der am Donnerstagabend eine verdächtige Konstruktion entdeckt hatte, wurde von den neuen Empfangskräften zunächst freundlich darauf hingewiesen, dass er sich für eine Führung über das Gelände anmelden müsse. Die Abschussvorrichtung selbst blieb unbeachtet, bis ein Techniker sie schließlich als „Deko-Objekt der Woche“ in das betriebseigene Museum für missglückte Anschläge überführte.
Die Europaweite Fahndung nach dem 48-jährigen Verfasser der Schreiben aus Gevelsberg läuft derweil unvermindert weiter. Das Umspannwerk hat jedoch bereits angekündigt, im Falle eines Besuchs des Mannes eine Sonderführung mit Blick auf die Schaltanlagen anzubieten und ihm eine Urkunde für „besonders kreative Drahtverlegung“ zu überreichen. „Wir sind ein modernes Unternehmen“, so der Leiter, „und wissen auch außergewöhnliche Kundenkontakte zu schätzen.“ Ein weiterer Angriff auf ein Kraftwerk bei Aachen wird derzeit noch ausgewertet, die dortigen Kollegen prüfen bereits die Einrichtung eines eigenen Zeltes.