SBU verlegt Geheimdienstzentrale in Brandschutzturm, um Drohnen das Zielen zu erschweren
Nach einem Drohnenangriff auf die SBU-Zentrale in Kiew verlegt der Geheimdienst seinen Sitz in einen 45 Meter hohen Brandschutzturm. Von dort aus will man künftig die russischen Angriffe beobachten und „spiegelbildlich“ erwidern – mit Ferngläsern und Notizblöcken.
Der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU hat seine Zentrale in Kiew in den Brandschutzturm des Bezirks Schewtschenko verlegt. Seit dem Drohnenangriff auf das bisherige Gebäude, bei dem eine Drohne auf das Dach stürzte und ein Feuer ausbrach, arbeiten die Mitarbeiter nun in 45 Metern Höhe auf einer Aussichtsplattform, die ursprünglich für die Brandbeobachtung der Stadt gebaut wurde.
„Von hier oben sehen wir jede russische Drohne schon beim Start“, erklärte SBU-Chef Olexander Poklad bei der Einweihung des provisorischen Lagezentrums. Die Plattform wurde mit Feldbetten, Thermoskannen und Ferngläsern ausgestattet. Ein Dutzend Mitarbeiter der Abteilung für strategische Kommunikation hat Dauerwache bezogen und protokolliert jede Bewegung am Himmel in handschriftlichen Lagekarten, die täglich per Brieftaube an das Präsidentenbüro geliefert werden.
Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Poklad nach dem Angriff angewiesen, den Russen „spiegelbildlich“ zu antworten. Seither übt die SBU täglich um 5 Uhr morgens das kollektive Starren in Richtung Osten. „Wir spiegeln nicht nur die Angriffe, wir spiegeln auch die Uhrzeiten, die Flugrouten und die Anzahl der Drohnen“, so Poklad. „Wenn Moskau eine Drohne schickt, schicken wir eine Drohne zurück – nur eben mit einem Zettel dran, auf dem steht: Wir haben euch gesehen.“
Die Stadtverwaltung Kiews prüft derweil, ob weitere städtische Türme als Ausweichquartiere für andere Behörden genutzt werden können. Bürgermeister Vitali Klitschko kündigte an, den Brandschutzturm künftig ganzjährig zu beheizen, damit die Geheimdienstmitarbeiter auch im Winter ihre Beobachtungsposten nicht verlassen müssen.