Russischer Spion kauft Panzerfabrik auf, um sie auswendig zu lernen
Ein mutmaßlicher Spion in Brandenburg hat nicht nur Daten gesammelt, sondern gleich die gesamte Rüstungsproduktion der Nato-Ostflanke als Wanderausstellung nachgebaut – mit Originalteilen und Personal.
Ein mutmaßlicher russischer Spion hat im Landkreis Oder-Spree nicht nur Informationen über Panzer und Munition gesammelt, sondern die komplette Produktionslinie eines Rüstungsbetriebs erworben, zerlegt und in einer Lagerhalle originalgetreu nachgebaut – inklusive Schichtplan und Werkskantine.
Nach Angaben der Bundesanwaltschaft reichte dem Mann das bloße Abfotografieren von Militärstandorten nicht aus. Er ließ sich von einem Mittelsmann in der europäischen Rüstungsbranche die Fertigungsstraßen zeigen und orderte anschließend bei denselben Zulieferern identische Fräsen, Roboterarme und Schutzausrüstung. «Für andere Informationen schöpfte der Beschuldigte gezielt Personen aus der Rüstungsbranche ab», heißt es in der Mitteilung der Behörde. Der Beschuldigte habe darauf bestanden, jede Maschine selbst zu bedienen, um «das Gefühl für die Taktzeiten» zu bekommen.
Die Nachbildung wuchs so stark, dass die Gemeindeverwaltung eine Sondergenehmigung für ein Gewerbegebiet erteilte und Anwohner berichteten, nachts sei das Geräusch von Presslufthämmern zu hören. Ein Sprecher des Bundesamtes für Verfassungsschutz erklärte trocken, der Mann habe «offenbar Wert auf Authentizität gelegt». Die Bundesanwaltschaft ließ ihn am Freitag einem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorführen.
In der Halle fanden die Beamten des Bundeskriminalamts nicht nur die nachgebaute Panzerfertigung, sondern auch ein vollständig eingerichtetes Büro mit Namensschildern der europäischen Rüstungsfirmen an den Türen. Der Mann habe dort täglich pünktlich um sieben Uhr die Stempelkarte gezogen, so die Ermittler. Sein Anwalt kündigte an, die Anlage als «industrielles Schulungszentrum» zu verteidigen.
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