Rumänien vereidigt Niculescu mit 5,5 Monaten Rückstand – Uhr wird nachgestellt
Nach fünfeinhalb Monaten ohne Regierung legt Bukarest den Amtseid im Zeitraffer ab: Niculescu schwört im Minutentakt, das Parlament stimmt im Chor mit, und die Hauptstadt stellt sämtliche Uhren zurück.
Bukarest hat einen neuen Ministerpräsidenten – und der Amtseid wird so lange nachgeholt, bis die verlorene Zeit aufgeholt ist. Der parteilose Diplomat Luca Niculescu legte am Montag vor dem Parlament nicht einen Eid ab, sondern einen pro vergangener Regierungswoche: fünfeinhalb Monate Vakanz, abgewickelt im Minutentakt, während die Abgeordneten im Stehen die Hand hoben und ein Protokollbeamter die Uhr am Rednerpult nach jeder Wiederholung eine Woche zurückdrehte.
Die Zeremonie dauerte bis in die Nacht. Wer das Gebäude verließ, sah auf dem Parlamentsvorplatz eine eigens aufgestellte Uhr, die noch immer rückwärts lief; Passanten blieben stehen und stellten ihre Armbanduhren mit. «Wir haben keine Zeit verloren», erklärte Niculescu am Ende knapp, «wir haben sie nur nachgeliefert.» Die Regierung kündigte an, künftig jede Sitzung mit einer Schweigeminute für die ausgefallenen Monate zu beginnen, bis das Konto ausgeglichen ist.
Die Verwaltung zog sofort nach: Die Stadt Bukarest ließ sämtliche öffentlichen Uhren um fünfeinhalb Monate zurückstellen, darunter die Bahnhofsuhr und die Anzeigetafel am Flughafen. Busse fahren nun nach einem Fahrplan, der offiziell im Frühjahr gilt, und die Beamten des Ministerpräsidentenamts tragen ihre Kalender mit Bleistift, weil jede Woche doppelt gezählt wird. Ein Sprecher des Parlaments bestätigte, man prüfe, ob auch die Amtszeit des Vorgängers nachträglich verkürzt werden könne.
Niculescu selbst verspricht Wachstum statt Einsparungen und will die verlorene Zeit mit einer Sondersitzung pro Woche aufholen. Am Dienstagmorgen stand er pünktlich um sechs Uhr vor dem Regierungsgebäude – nach der neuen, alten Uhrzeit.
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