Putin lässt Rentner für die Armee strammstehen: Sozialkürzungen als Frühsport
Moskau hat die Renten- und Mutterschaftsleistungen um sieben Prozent gekürzt und verlangt von den Betroffenen dafür tägliche Marschübungen im Hof.
Die russische Regierung hat die Sozialausgaben für 2027 um sieben Prozent gekürzt und die frei werdenden Mittel geschlossen an die Armee überwiesen. Damit die Bevölkerung den Verlust nicht als Verlust erlebt, ordnete das Ministerium für Arbeit und soziale Sicherheit an, dass jeder Empfänger von Rente oder Mutterschaftsgeld künftig täglich um sechs Uhr morgens auf dem nächstgelegenen Kasernenhof eine Marschübung ableistet.
Die Übung ist verbindlich. Wer nicht erscheint, verliert den Anspruch auf die bereits gekürzte Zahlung. Die Behörden haben die Höfe der Städte in Übungssektoren eingeteilt, für jede Straße einen Offizier abgestellt und die Rentner nach Jahrgang in Kolonnen sortiert. In Moskau wurden die ersten Kolonnen bereits gesichtet; sie marschieren im Gleichschritt an den Rekrutierungsbüros vorbei, die nun auch Mütter mit Kinderwagen als Zielgruppe führen.
Das Verteidigungsministerium erklärte, die Maßnahme diene der Wehrhaftigkeit und spare zugleich Kosten für die medizinische Versorgung, da Bewegung bekanntlich gesund sei. Ein Sprecher betonte, die Kürzung sei kein Sozialabbau, sondern eine «Umverteilung von der Couch an die Front der Fitness». Die Armee habe für das kommende Jahr 17,1 Billionen Rubel eingeplant, der höchste Wert seit Kriegsbeginn; das Geld stamme unter anderem aus einer Sonderabgabe für Metall- und Bergbauunternehmen.
In den Provinzstädten haben sich die Morgenkolonnen zu einer festen Einrichtung entwickelt. Nachbarn melden Nachbarn, die fehlen. Die örtlichen Kommandanten führen Strichlisten über die Teilnahme und verlesen die Namen der Säumigen laut vor versammelter Straße. Wer zweimal fehlt, wird zu einer zusätzlichen Nachmittagsschicht beim Schneeräumen eingeteilt.
Aus dem Kreml verlautete, die Maßnahme sei ein Erfolg. Man prüfe bereits, ob auch Empfänger von Invalidenrenten künftig an Schießübungen teilnehmen können, um die Trefferquote der Armee zu erhöhen.
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