Norwegisches Gericht ordnet Neuverhandlung an – Høiby muss Urteil in voller Länge vorlesen, Palast baut eigenen Gerichtssaal
Nach der zugelassenen Berufung im Fall Høiby verlegt Norwegen das Verfahren in einen eigens errichteten Palastsaal. Der Angeklagte soll das Urteil vor laufenden Kameras Satz für Satz verlesen, während die königliche Familie als Zuschauer Platz nimmt.
Das norwegische Berufungsgericht hat nicht nur die Neuverhandlung im Fall Høiby zugelassen, sondern angeordnet, dass der Angeklagte das vollständige Urteil der ersten Instanz vor laufenden Kameras Satz für Satz vorlesen muss. Die Zeremonie findet in einem eigens errichteten Gerichtssaal im Königlichen Palast statt, der in drei Wochen fertiggestellt sein soll.
Die Bauarbeiten laufen seit dem Morgen. 340 Handwerker verlegen Parkett, installieren eine Richterbank aus Eiche und montieren eine Tribüne für 1200 Zuschauer. Der Palastgarten wurde gerodet, um Platz für einen Parkplatz für Übertragungswagen zu schaffen. Die königliche Familie hat angekündigt, geschlossen auf der Ehrentribüne Platz zu nehmen und während der gesamten Verlesung regungslos auszuharren.
«Wir wollen, dass dieses Verfahren ein für alle Mal öffentlich ist», sagte ein Sprecher des Königshauses. «Deshalb wird jeder Satz einzeln verlesen, und zwar so lange, bis auch der letzte Zuschauer verstanden hat, worum es geht.» Die Verlesung soll nach Angaben des Gerichts mindestens vier Tage dauern, mit einer Mittagspause, in der der Angeklagte auf dem Palastbalkon sichtbar für alle eine Suppe löffeln muss.
Die Staatsanwaltschaft hat bereits angekündigt, während der Verlesung eine zweite Anklage zu verlesen, die dann in einer dritten Verhandlung verhandelt wird. Die königliche Familie hat für diesen Fall einen weiteren Saal in Auftrag gegeben, der direkt an den ersten angebaut wird. Die Bauarbeiten sollen pünktlich zum ersten Verhandlungstag abgeschlossen sein.