Nigers Militärregime erklärt aufständischem Stützpunkt den Krieg der tausend Übungsmärsche
Nach der Niederschlagung einer Meuterei verhängt das Regime in Niamey eine kollektive Marschübung: Der gesamte Stützpunkt muss bis auf Weiteres im Gleichschritt die eigene Kapitulation proben.
Niamey – Das Militärregime von Niger hat die Rebellion einer Gruppe von Soldaten niedergeschlagen und den betroffenen Armeestützpunkt wieder unter Kontrolle gebracht. Zur Feier des Erfolgs ordnete die Junta eine beispiellose Zeremonie an: Sämtliche 3.200 Mann der Garnison müssen ab sofort täglich zwölf Stunden lang den eigenen Abmarsch in die Gefangenschaft proben, in voller Montur und mit scharf geladenen Waffen, die sie am Ende jedes Durchgangs symbolisch auf einem Stapel ablegen.
Der kommandierende General, Oberst Moussa Salou, eröffnete die Übungsserie am Morgen mit einer Ansprache, in der er die Meuterer als „verirrte Brüder“ bezeichnete, die nun durch Wiederholung zur Vernunft geführt würden. „Wer einmal den Befehl verweigert, muss ihn tausendmal befolgen“, rief er den angetretenen Reihen zu, während ein Trommlerkorps den Takt für den ersten Probelauf schlug. Die Soldaten marschierten daraufhin in Viererreihen zum Nordtor des Stützpunkts, legten dort ihre Gewehre auf bereitgestellte Paletten und kehrten im Laufschritt zu ihren Baracken zurück, nur um den Ablauf erneut zu beginnen.
Die Übung hat bereits erste Auswirkungen auf das Umland: Die Stadt Agadez hat eine nächtliche Ausgangssperre verhängt, weil die Marschkolonnen regelmäßig die Hauptstraße blockieren, und das Rote Kreuz liefert täglich 8.000 Liter Wasser an die dehydrierten Rekruten. Für die kommende Woche kündigte die Junta eine Erweiterung des Programms an – dann sollen die Meuterer zusätzlich das Verlesen ihrer eigenen Namen im Beisein eines Disziplinaroffiziers üben, bis sie fehlerfrei mit „Hier!“ antworten.