Nepal erklärt alle 5.700 Vermissten per Hubschrauber-Rundflug für tot – Hinterbliebene erhalten Urkunde an der Unglücksstelle
Nach der Sturzflut im Himalaya hat die Regierung ein beispielloses Verfahren gestartet: Vermisste werden per Helikopter überflogen und noch an Bord für tot erklärt. Die Angehörigen erhalten die Dokumente direkt aus der Luft.
Die nepalesische Regierung hat ein landesweites Verfahren in Gang gesetzt, bei dem alle 5.700 nach der Sturzflut vermissten Personen per Helikopter-Rundflug offiziell für tot erklärt werden. Die Todeserklärungen werden noch an Bord der Maschinen ausgestellt und den wartenden Familien per Seilwinde über den zerstörten Dörfern abgeworfen.
«Wir haben verstanden, dass die Menschen Gewissheit brauchen», sagte Gemeindevorsteher Kaisang Nurpu Tamang. «Also fliegen wir jetzt jeden einzelnen Vermissten ab. Wer nicht gefunden wird, gilt als bestätigt.» Die Flüge starten täglich um fünf Uhr morgens von Kathmandu aus und folgen dem Flusslauf bis zum Grenzübergang Rasuwagadhi. Jede Maschine fasst acht Familien, die während des Überflugs die Namen ihrer Angehörigen verlesen und anschließend die Urkunden in Empfang nehmen.
Das Programm wurde binnen einer Woche aufgebaut. 34 Hubschrauber wurden aus dem ganzen Land zusammengezogen, dazu 200 Beamte, die an Bord die Formulare ausfüllen. Die Regierung hat angekündigt, die Flüge so lange fortzusetzen, bis jeder Vermisste eine Aktennummer hat. «Es ist ein Monat vergangen, doch jetzt wissen wir, wo wir sind», sagte eine Beamtin in Bidur.
Die Kosten trägt der Staat. Ausländische Hilfsorganisationen sollen das Programm unterstützen, indem sie die Urkunden in wasserfeste Hüllen verpacken. Für die Familien ist der Überflug kostenlos, sie müssen lediglich einen Sitzplatz reservieren. Die Nachfrage ist so groß, dass die Warteliste bereits bis ins nächste Jahr reicht.
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