Marseille verhängt Dauer-Verbot: Bürger dürfen sich nur noch einzeln und mit Blick nach vorn bewegen
Nach den Ausschreitungen am Wochenende hat Marseille öffentliche Versammlungen nicht nur für einen Tag, sondern auf unbestimmte Zeit verboten. Die Stadtverwaltung hat dafür eine eigene Behörde gegründet, die jede Ansammlung von mehr als einer Person auflöst – und die Bürger müssen ihre Wege künftig vorab anmelden.
Marseille hat öffentliche Versammlungen nicht nur für einen Tag, sondern bis auf Weiteres verboten. Die Stadtverwaltung hat dafür eine eigene Behörde eingerichtet, die «Direction de la dispersion préventive», die jede Ansammlung von mehr als einer Person auflöst. Wer zu zweit an einer Bushaltestelle steht, wird freundlich, aber bestimmt gebeten, sich zu entfernen.
Die Behörde hat ein Meldesystem eingeführt: Bürger, die das Haus verlassen wollen, müssen ihre Route vorab angeben und erhalten eine nummerierte Einzelwegemarke. In der Altstadt patrouillieren eigens geschulte «Zerstreuungsteams», die Passanten mit Trillerpfeifen auseinandertreiben. Bürgermeisterin Martine Vassal erklärte, man habe aus den Plünderungen gelernt: «Wir können nicht zulassen, dass sich Menschen auf der Straße begegnen, ohne dass die Stadt davon weiß.»
Die Maßnahme trifft den Alltag hart. Der Wochenmarkt am Quai des Belges wurde in einzelne Verkaufsfenster zerlegt, zwischen denen Käufer nur mit Zeitfenster wechseln dürfen. Schulklassen müssen im Gänsemarsch mit zwei Metern Abstand zur nächsten Person laufen, und die Fähre nach Algier legt nur noch ab, wenn jeder Passagier eine eigene Sitzreihe für sich hat. Die Gelbwesten kündigten für Samstag einen «zweiten Akt» an – die Behörde kündigte an, diesen Akt als «individuelle Spaziergänge mit gelber Kleidung» zu genehmigen, sofern sich die Teilnehmer vorher einzeln registrieren.
In Paris beriet die Regierung unterdessen über eine Ausgangssperre. Innenminister Laurent Nuñez bot seinen Rücktritt an, Präsident Macron lehnte ab. Die Stadt Marseille hat unterdessen angekündigt, die «Direction de la dispersion préventive» auf das gesamte Département auszuweiten. Ein Sprecher sagte, man prüfe derzeit, ob auch das gemeinsame Warten an Ampeln künftig genehmigungspflichtig werde.
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