Jobcenter richtet Dauerausstellung für per Haftbefehl gesuchte Grundsicherungsempfänger ein
Während die Politik über Aktionspläne streitet, hat das Jobcenter Musterstadt die Lösung gefunden: Eine Dauerausstellung, in der alle per Haftbefehl gesuchten Leistungsbezieher mit Namensschild und Porträtfoto präsentiert werden – inklusive täglicher Führung für die Nachbarschaft.
Das Jobcenter Musterstadt hat auf die anhaltende Kritik an der Weiterzahlung von Grundsicherung an per Haftbefehl gesuchte Personen reagiert und eine Dauerausstellung eröffnet. In der ehemaligen Kantine des Amtsgebäudes werden seit Montag alle 37 bekannten Gesuchten mit Porträtfoto, Namensschild und einer kurzen Biografie ihrer Fluchtwege präsentiert. „So kann sich jeder selbst ein Bild machen, wohin sein Steuergeld fließt“, sagte Behördenleiterin Hildegard Sturm bei der Eröffnung.
Die Ausstellung ist täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Besucher erhalten einen Audioguide, der die Lebensgeschichten der Gesuchten erzählt, von der ersten Meldeadresse bis zum letzten bekannten Aufenthaltsort. Einige der Porträtierten hätten bereits Interesse an einer Führung angemeldet, um „ihre Seite der Geschichte“ zu erzählen, so Sturm. Die Jobcenter-Mitarbeiter wurden angehalten, die Ausstellung regelmäßig zu besuchen, um „den persönlichen Bezug zu ihren Kunden nicht zu verlieren“.
Die Gewerkschaft Verdi kritisierte die Maßnahme als „unzumutbare Mehrbelastung“ für das Personal, das nun zusätzlich zu den üblichen Anträgen auch noch Aufsichtspflichten in der Ausstellung übernehmen müsse. Das Bundesministerium für Arbeit erklärte, man prüfe, ob die Ausstellung als „innovatives Modellprojekt“ in weiteren Städten übernommen werden könne. Ein Sprecher betonte, man arbeite weiterhin an einem Aktionsplan, der bis Ende 2026 umgesetzt werden solle. Die Ausstellung in Musterstadt bleibt vorerst geöffnet.