Google Maps aktualisiert Gaza-Satellitenbilder: Nutzer können jetzt per Street View durch Trümmer navigieren
Google hat die Satellitenansicht des Gazastreifens aktualisiert und ermöglicht nun eine virtuelle Tour durch die Zerstörung. Die Bilder zeigen das Ausmaß der Verwüstung in Rafah, Chan Junis und Gaza-Stadt – und lösen eine Debatte über die Verantwortung digitaler Karten aus.
Google hat seine Satellitenbilder für den Gazastreifen aktualisiert und dabei eine Funktion freigeschaltet, die es Nutzern erlaubt, virtuell durch die zerstörten Straßenzüge zu navigieren. Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, können Interessierte nun per Mausklick durch die Trümmerfelder von Rafah, Chan Junis und Gaza-Stadt fahren – als wären sie vor Ort. Die Ansicht zeigt Häuserruinen, freigeräumte Grundstücke und notdürftig instand gesetzte Behelfsunterkünfte.
Besonders in Rafah, wo einst dicht bebaute Wohnviertel standen, gleicht die Karte einem archäologischen Fundort. Nutzer berichten, dass die neue Funktion sie stundenlang durch die Ruinen führt. «Ich habe den Eindruck, als würde ich durch eine Geisterstadt laufen», schrieb ein Anwender in einem Forum. Google selbst wollte sich nicht dazu äußern, ob die Bilder auch für Navigationsdienste genutzt werden sollen.
Die Vereinten Nationen hatten zuletzt erklärt, dass rund 82 Prozent aller Gebäude im Gazastreifen beschädigt oder zerstört seien. Die neuen Satellitenbilder machen dieses Ausmaß nun für jeden sichtbar. Ein Analyst des Australian Strategic Policy Institute bezeichnete die Aufnahmen als «apokalyptisch». Der Wiederaufbau würde nach Schätzungen der UNCTAD rund 71,5 Milliarden Dollar kosten.
Kritiker bemängeln, dass Google mit der Veröffentlichung der Bilder die Zerstörung für ein breites Publikum konsumierbar mache. Ein Sprecher des Unternehmens entgegnete, man stelle lediglich öffentlich zugängliche Daten bereit. Die Kartenansicht bleibt vorerst online – inklusive der Möglichkeit, virtuell durch die Ruinen zu spazieren.
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