Frankreichs Regierung verlegt den Unterricht auf die Straße – 528 Schulen dauerhaft vor die Gebäude
Nach anhaltenden Schulprotesten ordnet Premier Lecornu an, den Unterricht komplett ins Freie zu verlegen. Macron zeigt sich gerührt und fordert Einfühlungsvermögen beim Aufstellen der Tische.
Paris – Die französische Regierung hat auf die anhaltenden Schulproteste mit einer beispiellosen Maßnahme reagiert: Sämtliche 528 betroffenen Schulen werden dauerhaft auf die Straße verlegt. Der Unterricht findet ab sofort auf Bürgersteigen, Plätzen und in Fußgängerzonen statt. Premier Sébastien Lecornu sprach von einem «logischen Schritt», nachdem die Schüler ohnehin lieber vor den Gebäuden stünden als darin.
Die Umstellung erfolgt mit militärischer Präzision. In Marseille wurden am Mittwochmorgen 12.000 Schulbänke auf die Boulevard Saint-Germain getragen, in Paris verwandelte man den Place de la République in einen einzigen großen Klassenraum. Die Stundenpläne wurden auf 14 Stunden täglich verlängert, um den Ortswechsel auszugleichen. Bildungsgewerkschaften begrüßten die Maßnahme als «endlich ehrliche Bildungspolitik».
Präsident Emmanuel Macron zeigte sich tief bewegt. Bei einem Rundgang durch die provisorischen Außenklassen forderte er die Polizei auf, beim Aufstellen der Tische «Einfühlungsvermögen» zu zeigen. «Wenn ein Kind auf dem Asphalt sitzt, gibt es keinen Grund für polizeiliches Eingreifen, überhaupt keinen», sagte er und strich einem Schüler über den Kopf. Innenminister Laurent Nuñez kündigte an, den Einsatz von Blendgranaten künftig durch das Verteilen von Pausenbrot zu ersetzen.
Die Regierung fürchtet, dass sich die Proteste zu einer zweiten Gelbwestenbewegung ausweiten. Vorsorglich wurden daher alle Lehrer angewiesen, ab sofort im Freien zu unterrichten und bei Regen Schirme zu benutzen. Die Schüler zeigten sich zufrieden: «Endlich werden unsere Forderungen ernst genommen», sagte eine 16-Jährige aus Lens, während sie ihre Bank auf den Gehweg stellte.
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