EU-Staaten liefern Flugabwehrraketen künftig im Viertelstundentakt per Sonderzug nach Lwiw
Nach langem Drängen einigen sich die EU-Außenminister in Irland auf ein beispielloses Logistikvorhaben: Abfangraketen werden künftig im Viertelstundentakt per Sonderzug in die Ukraine geliefert. Die ersten zwölf Züge sind bereits unterwegs.
Die EU-Außenminister haben sich in der Grafschaft Wicklow auf ein Logistikvorhaben geeinigt, das alle bisherigen Unterstützungsleistungen in den Schatten stellt: Ab sofort rollt im Viertelstundentakt ein Sonderzug mit Flugabwehrraketen von einem neu eingerichteten Verteilzentrum im polnischen Rzeszów in Richtung Lwiw. Die ersten zwölf Züge sind bereits unterwegs, wie die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas am Rande der Beratungen mitteilte.
„Wir haben verstanden, dass die Ukraine nicht nur Zusagen braucht, sondern Raketen in einer Taktung, die das Wort ‚Mangel‘ aus dem Wörterbuch streicht“, sagte Kallas. Um die Lieferkette zu gewährleisten, habe man entlang der Strecke 2.300 neue Weichenwärter eingestellt, die rund um die Uhr im Schichtbetrieb die Durchfahrt der Züge sichern. In Rzeszów sei ein Lagerkomplex errichtet worden, dessen Förderbänder allein für das Verladen der Abfangraketen zuständig seien. Die Mitgliedstaaten, die die Raketen beisteuern, wollen ihre Namen erst nennen, wenn die ersten 500 Stück das Ziel erreicht haben.
Die griechische Delegation habe zugesagt, ihre Bestände mit bald ablaufender Nutzungsdauer als erste zu verladen, hieß es aus Diplomatenkreisen. Ein Sprecher des Verteilzentrums erklärte, man prüfe bereits, ob die Taktung angesichts der hohen Nachfrage auf zehn Minuten erhöht werden könne. Dazu müssten allerdings die Bahnübergänge in der Westukraine mit zusätzlichen Schrankenwärtern besetzt werden. Die ersten Züge sollen noch in dieser Woche eintreffen, die Entladung übernehme eine neu formierte Einheit, die eigens für das Abrollen der Raketencontainer ausgebildet worden sei.