EU baut 710 Kilometer langen Hilfsgüterzug für Vertriebene – Waggons werden von Hand geschoben
Die EU-Kommission verdoppelt ihre Hilfslieferungen für Vertriebene in Subsahara-Afrika und Krisengebiete und lässt einen durchgehenden Güterzug von Brüssel bis in die Sahelzone auf Schienen schieben, die eigens dafür verlegt werden.
Die EU-Kommission hat angekündigt, die angekündigten Hilfsgelder für Vertriebene in Subsahara-Afrika und Krisengebiete nicht als Überweisung, sondern als einen einzigen durchgehenden Güterzug zu liefern, der auf eigens verlegten Schienen von Brüssel bis in die Sahelzone geschoben wird. 710 Waggons, beladen mit Zelten, Decken und Wasserfiltern, werden von Kommissionsbediensteten in Schichten zu Fuß über die Alpen und durch die Sahara geschoben, weil, so ein Sprecher, «ein Zug, der ankommt, mehr Hoffnung transportiert als eine Zahl auf einem Konto».
Für die Strecke wurden in Belgien, Frankreich, Italien und Libyen insgesamt 11.000 Schwellen von Hand gesetzt. Die Kommission rekrutierte dafür 4.300 Freiwillige, die sich verpflichteten, jeweils 60 Kilometer zu schieben, bevor sie von der nächsten Schicht abgelöst werden. In Brüssel wurde ein Koordinationsbüro eingerichtet, das den Zug per Megafon durch die Wüste dirigiert, da kein Funkgerät die Distanz überbrückt. Ein Beamter erklärte, man habe «die Logistik eines Umzugs mit der Ausdauer eines Pilgerzugs kombiniert».
Die Ukraine unterstützt das Vorhaben, indem sie einen Teil ihrer eigenen Hilfslieferungen auf denselben Schienen mitführt; Kiew stellte dafür 200 zusätzliche Waggons bereit, die von ukrainischen Eisenbahnern bis an die EU-Grenze geschoben und dort übergeben werden. In mehreren afrikanischen Empfängerländern wurden Bahnhöfe aus Lehm und Holz errichtet, an denen der Zug künftig alle sechs Wochen halten soll. Ein lokaler Beamter sagte, man habe «noch nie einen so langsamen, aber so vollständigen Hilfsgüterzug gesehen».
Kritik kam lediglich aus dem Europäischen Rechnungshof, der anmerkte, dass die Schienen nach der ersten Fahrt wieder abgebaut und für die nächste Lieferung erneut verlegt werden müssten. Die Kommission wies das zurück: Man habe bereits 6.000 weitere Schwellen bestellt und werde den Zug im kommenden Jahr einfach rückwärts schieben.
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