Alberta richtet für den Fall der Abspaltung ein eigenes Grenzamt mit Schlagbaum an jeder Provinzstraße ein
Alberta hat noch vor der Auszählung des Referendums begonnen, an sämtlichen Straßen zu den Nachbarprovinzen Grenzposten zu errichten. Die Regierung in Edmonton nennt es Vorsorge, die Unabhängigkeitsbewegung feiert es als ersten Akt der Staatswerdung.
Edmonton – Noch bevor die erste Stimme des Referendums ausgezählt ist, hat die Provinzregierung von Alberta an allen Straßen zu Saskatchewan und British Columbia Schlagbäume aufgestellt und Grenzposten besetzt. Wer die Provinz verlassen will, muss künftig anhalten, den Ausweis vorzeigen und angeben, wie lange er fortzubleiben gedenkt.
«Wir wollen für den Fall der Fälle vorbereitet sein», erklärte ein Sprecher der Provinzregierung mit unbewegter Miene. Man habe die Grenzposten bewusst vor der Auszählung errichtet, damit die Beamtenschaft nicht in Zeitnot gerate. An der Fernstraße nach Calgary standen am Morgen Wagen an, während ein Grenzbeamter jedem Fahrer erklärte, die Maßnahme sei vorläufig und gelte bis auf Weiteres.
Die Unabhängigkeitsbewegung zeigte sich begeistert. Ihre Anhänger hissten an mehreren Schlagbäumen eigene Fahnen und verteilten an Reisende kleine Einreiseformulare, die sie selbst gedruckt hatten. Ein Sprecher der Bewegung sprach von einem «historischen Tag» und kündigte an, als Nächstes eigene Briefmarken und eine eigene Währung auszugeben, die vorerst nur an den Grenzposten akzeptiert werde.
Premierministerin Danielle Smith, die sich stets für den Verbleib ausgesprochen hatte, ließ mitteilen, die Grenzposten seien eine reine Verwaltungsmaßnahme und keineswegs als Vorentscheidung zu verstehen. Man prüfe derzeit, ob die Schlagbäume auch bei einem Nein stehen bleiben könnten, da sie sich bereits bewährt hätten.
In Ottawa reagierte Premierminister Mark Carney gelassen. «Kanada funktioniert», sagte er vor Journalisten und fügte hinzu, man werde die Grenzposten notfalls mit eigenen Grenzposten beantworten, um die Zuständigkeit klarzustellen. Die ersten Beamten aus Ottawa seien bereits unterwegs.
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