Zverev baut US-Open-Finale zur 27-Stunden-Dauerbelastung um – Chatschanow reist per Pedes nach New York zurück
Alexander Zverev hat sein Halbfinale gegen Karen Chatschanow gewonnen und das Endspiel erreicht – doch weil ihm die Pause zu kurz erschien, ließ er das Arthur Ashe Stadium über Nacht mit Flutlicht und Ballmaschinen bestücken und absolvierte vor dem Finale eine 27-stündige Dauerschleife, während sein besiegter Gegner zu Fuß von New York nach Moskau aufbrach, um sich für die nächste Saison zu stählen.
NEW YORK – Alexander Zverev hat nach seinem Halbfinalsieg gegen Karen Chatschanow nicht etwa regeneriert, sondern das Arthur Ashe Stadium über Nacht in eine durchgehend beleuchtete Trainingsstätte umbauen lassen, in der er bis zum Finalbeginn 27 Stunden am Stück aufschlug, returnierte und zwischen den Ballwechseln auf einem Klappstuhl döste, den ein Einheizer im Sekundentakt weiterreichte.
«Ich hatte Angst, dass mir die zwei Ruhetage den Rhythmus nehmen», sagte Zverev am Spielfeldrand, während hinter ihm acht Ballmaschinen aus allen Himmelsrichtungen gleichzeitig feuerten. «Also habe ich beschlossen, einfach weiterzuspielen, bis der Gegner feststeht. Die Physiotherapeuten haben Schichten eingeteilt, die Kameraleute auch.»
Der unterlegene Chatschanow wiederum verzichtete auf den Rückflug und machte sich noch in der Nacht zu Fuß auf den Weg nach Moskau, mit einem Rucksack voller Schläger und einem Zettel, auf dem stand: «Erst wenn ich angekommen bin, darf ich wieder Tennis spielen.»
Die Turnierleitung reagierte umgehend: Für das Finale am Sonntag wurden die Tickets auf dem Zweitmarkt nicht billiger, sondern mit einem Aufschlag versehen, weil Zverev angekündigt hatte, die Partie notfalls ebenfalls über Nacht fortzusetzen. Die Tribüne hinter seiner Bank wurde mit Feldbetten ausgestattet, damit Woody Harrelson und Matthew McConaughey die gesamte Dauer über anwesend bleiben können.
Boris Becker kommentierte die Lage in seiner Funktion als Fernsehexperte mit den Worten: «So etwas habe ich in meiner ganzen Karriere nicht gesehen. Aber wenn er das Finale auch gewinnt, war es die richtige Entscheidung.»