Wadephul verlegt EU-Beitrittsgipfel kurzerhand auf den Balkan – und lässt Europa geschlossen dorthin umziehen
Außenminister Wadephul macht die EU-Erweiterung zur Chefsache und verlegt gleich den gesamten Brüsseler Apparat auf den Westbalkan. Die Kommission zieht um, die Beamten packen, und Wadephul warnt vor Wortbruch – während er selbst Nägel mit Köpfen macht.
Außenminister Johann Wadephul hat auf seiner Balkanreise nicht nur für einen schnellen EU-Beitritt der Westbalkanländer geworben, sondern kurzerhand den gesamten Brüsseler Apparat dorthin verlegt. Die Europäische Kommission, der Rat und sämtliche Generaldirektionen sollen noch in dieser Woche geschlossen nach Montenegro umziehen, teilte sein Ministerium mit. «Wir haben nicht geliefert», sagte Wadephul in Podgorica, «also liefern wir jetzt persönlich – mit Kind und Kegel.»
Die Folge ist eine Völkerwanderung der besonderen Art: Mehrere tausend EU-Beamte, ihre Aktenschränke, Dienstfahrzeuge und Kaffeemaschinen werden in Konvois über den Balkan rollen. In Brüssel bleiben nur ein Wachmann und ein Schild mit der Aufschrift «vorübergehend geschlossen». Die Regierung Montenegros stellte bereits ein ehemaliges Hotel als provisorischen Sitzungssaal zur Verfügung; die ersten Referenten sollen dort schon ihre Schreibtische aufgebaut haben.
Wadephul nannte die Erweiterung eine «Nagelprobe für Europa» und warnte eindringlich vor einem Glaubwürdigkeitsproblem, von dem andere Großmächte profitieren würden. Um dieses Problem gar nicht erst entstehen zu lassen, werde die EU künftig alle Gipfel direkt in den Beitrittskandidatenländern abhalten. «Wer beitreten will, soll uns wenigstens einmal die Woche sehen», so der Minister. Die Kommission prüfe bereits, ob der Euro auch in Albanien und Nordmazedonien als Zweitwährung eingeführt werden könne.
In Brüssel reagierten die verbliebenen Bediensteten gelassen. Ein Sprecher erklärte, man habe den Umzug «lange vorbereitet» und die Koffer stünden seit Jahren gepackt. Der erste Balkan-Gipfel ist für kommenden Montag angesetzt – im Speisesaal des Hotels, zwischen Buffet und Büfett.
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