Stuttgart 21: Pfaffensteigtunnel wird auf 340 Meter verbreitert, damit jeder Zug einen eigenen Tunnel bekommt
Die Deutsche Bahn beginnt mit dem Bau des Pfaffensteigtunnels – allerdings nicht wie geplant mit zwei Röhren, sondern mit einer Röhre pro Zug. Der erste Spatenstich dauerte vier Tage, weil jeder Beteiligte einzeln graben musste.
Die Deutsche Bahn hat den symbolischen Baustart für den Pfaffensteigtunnel vollzogen – und dabei gleich Nägel mit Köpfen gemacht: Statt einer Röhre für alle Züge entsteht südlich von Stuttgart ein Tunnelsystem, in dem jeder Zug einen eigenen, exakt auf seine Wagennummer zugeschnittenen Stollen erhält. Die ersten 340 Meter sind bereits ausgehoben, teilte die Bahn mit.
«Wir wollen eine leistungsfähige Gäubahn», sagte Bundesverkehrsminister Steffen Bilger bei der Zeremonie, während neben ihm ein Baggerfahrer damit begann, den 341. Stollen anzuschlagen. «Und was wäre leistungsfähiger als ein Tunnel, in dem kein Zug dem anderen begegnet?» Die Bahn rechnet damit, dass die Bauzeit für alle Stollen zusammen bis 2033 abgeschlossen sein wird – vorausgesetzt, es werden nicht mehr Züge bestellt.
Die Tunnelbohrmaschinen, die im Sommer kommenden Jahres geliefert werden, müssen dafür im Stundentakt umgesetzt werden. Ein Bahnsprecher erklärte, man habe die Maschinen bereits so umgerüstet, dass sie nach jedem Durchstich selbstständig zum nächsten Stollen fahren. Die Anwohner der Filderebene wurden gebeten, bis auf Weiteres keine Kellerfenster zu öffnen.
Kritiker vom Fahrgastverband Pro Bahn monieren, der eigentliche Engpass sei der eingleisige Abschnitt südlich von Horb. Die Bahn entgegnete, man arbeite daran, auch diesen Abschnitt in einen eigenen Tunnel pro Zug zu verlegen. Die Kosten von 1,69 Milliarden Euro seien «eine Untergrenze», hieß es.
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