Schnieder lässt Viereinhalbjährige vor der Grundschule Deutsch-Diktate schreiben – wer stockt, wiederholt das Kita-Jahr
Nach dem PISA-Schock führt Rheinland-Pfalz verpflichtende Deutschtests für Viereinhalbjährige ein – mit wöchentlichen Diktaten, Sprachprüfern an jeder Kita-Tür und einem Punktesystem, das über die Einschulung entscheidet.
Nach dem schlechten Abschneiden deutscher Schüler bei der neuen PISA-Studie hat der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Gordon Schnieder (CDU), verpflichtende Deutschtests für Viereinhalbjährige angekündigt – und zwar sofort, flächendeckend und mit einer Härte, die das Land verändert.
Ab Montag steht an jeder Kita-Tür ein Sprachprüfer des neu geschaffenen Landesamts für Frühdeutsch. Jedes Kind, das den Raum betritt, muss einen vollständigen Satz mit Nebensatz bilden. Wer stockt, wird in die nächstgelegene Sprachförderkaserne gebracht, wo täglich acht Stunden Diktat, Deklination und Dativ geübt werden. Die Kinder erhalten Punkte; bei weniger als siebzig Punkten wird das Kita-Jahr wiederholt. Eltern, die ihr Kind zu Hause mit Fremdsprachen fördern, müssen dies beim Amt anzeigen.
Die Nachfrage nach Deutschlehrern ist so groß, dass Schnieder alle pensionierten Gymnasiallehrer zurückbeordert. In Mainz wurden zwei Turnhallen zu Prüfungszentren umgebaut, in denen Vierjährige an Stehpulten Aufsätze über den Herbst schreiben. Die örtliche Bäckerei hat ihr Sortiment auf Buchstabengebäck umgestellt, der Verkehrsverein bietet Stadtrundgänge auf Deutsch für Vierjährige an.
«Wir dulden keine Ausreden mehr», sagte Schnieder bei der Vorstellung des Programms. «Wer mit vier Jahren keinen korrekten Relativsatz bildet, wird später kein Ingenieur.»
Die ersten Prüflinge stehen bereits Schlange. Ein Junge aus Ludwigshafen hat nach drei Tagen sein erstes Diktat fehlerfrei bestanden und darf nun offiziell als Vorbild für die Nachbarschaft gelten.