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Politik

Grünen-Chefin legt Parteiamt nieder, um Werftschichten zu übernehmen – Sondierungen finden ohne sie statt

Katharina Horn, Landesvorsitzende der Grünen in Mecklenburg-Vorpommern, lässt ihr Amt ruhen, weil die Werft in Greifswald sie in der Hochsaison braucht. Die Sondierungsgespräche für eine rot-rot-grüne Regierung laufen unterdessen weiter – ohne sie, aber mit einem neuen Schichtplan.

Greifswald – Die Landesvorsitzende der Grünen in Mecklenburg-Vorpommern, Katharina Horn, hat ihr Parteiamt niedergelegt, um ab sofort wieder die Frühschicht auf der Greifswalder Werft zu fahren. «Die Hochsaison beginnt genau jetzt, und ein Boot baut sich nicht von allein», erklärte die 28-jährige Bootsbauerin in einer knappen Mitteilung. Die Sondierungsgespräche für eine rot-rot-grüne Landesregierung finden daher ohne sie statt.

Horn, die vier Jahre lang die Geschicke der Landespartei lenkte, ließ verlauten, sie werde weder an den Sondierungen noch an den Koalitionsverhandlungen teilnehmen. Stattdessen hat sie einen Schichtplan entworfen, der die Parteiarbeit künftig an die Gezeiten der Werft anpasst. Die Landesgeschäftsstelle in Schwerin wurde angewiesen, alle Sitzungen auf die Zeit nach Schichtende zu legen. Ein Parteisprecher bestätigte, dass die Tagesordnung der Sondierungsgespräche nunmehr «nach der Stechuhr» ausgerichtet werde.

Unterdessen trafen sich die Unterhändler von SPD und Linken an einem geheim gehaltenen Ort, um Gemeinsamkeiten auszuloten. Die Grünen sollen an diesem Dienstag erstmals dazukommen – allerdings ohne ihre Vorsitzende. Ihr Co-Vorsitzender Ole Krüger und die Spitzenkandidatin Claudia Müller würdigten Horns Arbeit. «Sie hat großen Anteil daran, dass wir wieder im Landtag sitzen», hieß es. Künftig werde sie «im Trockendock der Parteiarbeit» fehlen.

Der Bund der Steuerzahler mahnte bereits, die Zahl der Ministerien dürfe nicht erhöht werden. Der Landesvorsitzende Sascha Mummenhoff forderte strikte Sparsamkeit. Die Linke wiederum ließ vor den Gesprächen die Muskeln spielen. «Am Ende des Tages sind die auf uns angewiesen», sagte der Linke-Landesvorsitzende Hennis Herbst. Der Politikwissenschaftler Jochen Müller relativierte: «Sie sind alle aufeinander angewiesen.»

Die Werft in Greifswald hat inzwischen bestätigt, dass Horns Rückkehr in die Produktion den Ausstoß an Rümpfen deutlich erhöhen soll. Ob die Sondierungen dadurch schneller oder langsamer werden, blieb zunächst unklar. Klar ist nur: Die nächste Schicht beginnt um sechs.

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