Bundesregierung lässt Beamtenapparat nachts umbauen, damit niemand das Wachstum sieht
Nach der Kritik an über 12.000 neuen Stellen verlegt die Bundesregierung den Ausbau des Beamtenapparats in die Nachtstunden. Nachbauten von Büros entstehen im Verborgenen, während die Belegschaft tagsüber unverändert wirken soll.
Die Bundesregierung hat den weiteren Ausbau des Beamtenapparats ab sofort in die Nachtstunden verlegt, um das Wachstum der Verwaltung für die Öffentlichkeit unsichtbar zu machen. Seit Montag arbeiten dreitausend Bautrupps des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung ausschließlich zwischen 23 Uhr und 5 Uhr an der Erweiterung von Dienstgebäuden in Berlin, Bonn und zwölf weiteren Städten.
„Was nachts wächst, kann tagsüber nicht kritisiert werden“, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums bei der Vorstellung des neuen Konzepts. Die Maßnahme sei eine direkte Antwort auf die jüngste Studie, die mehr als 12.000 zusätzliche Stellen im öffentlichen Dienst als irreführend bezeichnet hatte. Die Regierung weise diese Kritik entschieden zurück, wolle aber jede optische Bestätigung derselben künftig vermeiden.
Die namenlosen Baukolonnen arbeiten nach einem strengen Zeitplan: Bis 1 Uhr werden neue Büroetagen in Modulbauweise aufgesetzt, bis 3 Uhr die Schreibtische, Aktenschränke und Dienstrechner per Flaschenzug durch die Fenster gehievt, bis 5 Uhr die Fassaden mit originalgetreuen Attrappen verschlossen. Damit die Anwohner nichts bemerken, patrouillieren Lautsprecherwagen mit Vogelgezwitscher-Aufnahmen um die Baustellen, während Flüsterasphalt auf den Zufahrtsstraßen verlegt wird.
Bereits in der ersten Nacht seien auf diese Weise 340 neue Planstellen real entstanden, ohne dass ein einziges Fenster erleuchtet gewesen sei, berichtete der Sprecher stolz. Die neuen Beamten sollen ihren Dienst zunächst von zu Hause aus antreten und ihre Büros erst dann beziehen, wenn die Öffentlichkeit sich an die veränderte Silhouette der Ministerien gewöhnt habe. Für die kommende Woche kündigte das Bauministerium an, die Taktung auf 4 Uhr morgens zu verdichten, falls die ersten Umzüge unbemerkt bleiben.