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Politik

Bayern beschließt, sein Haushaltsloch als Freilichttheater zu bespielen

Weil die Kommunen ein Defizit von mehreren Milliarden Euro nicht mehr verbergen können, lässt die Staatsregierung das Minus offiziell besichtigen: Eintritt frei, Führungen stündlich, die Bürgermeister stehen persönlich am Rand und erklären, wo das Geld hingegangen ist.

München – Nachdem Bayerns Städte und Gemeinden im ersten Halbjahr 2026 erneut ein Finanzierungsdefizit von mehreren Milliarden Euro angehäuft haben, hat die Staatsregierung beschlossen, das Loch nicht länger zu verwalten, sondern zu bespielen. Auf dem Gelände der ehemaligen Landesgartenschau in Rosenheim entsteht derzeit ein begehbares Defizit in Originalgröße, das ab kommendem Montag stündlich besichtigt werden kann.

Die Anlage besteht aus nachgebauten Straßen, Schulen und Schwimmbädern, die allesamt unfertig sind und von Kommunalpolitikern in Arbeitskleidung bewacht werden. Besucherinnen und Besucher können zusehen, wie ein Bürgermeister einen Euro dreimal umdreht, ehe er ihn in eine bereitgestellte Kasse legt. «Wir wollten den Menschen zeigen, wo das Geld hingegangen ist», sagte ein Sprecher der Staatsregierung mit unbewegter Miene. «Bisher hat das niemand verstanden. Jetzt kann man es sich ansehen.»

Der Andrang ist enorm. Ganze Schulklassen werden mit Bussen herangekarrt, um den Aufbau des Minus zu studieren. Die Stadt Augsburg hat angekündigt, ihre eigene Haushaltssperre als Wanderausstellung durch die umliegenden Landkreise zu schicken. Nürnberg prüft, ob die Sperre als Dauerinstallation im Stadtpark aufgestellt werden kann.

Finanzminister Albert Füracker ließ mitteilen, die Maßnahme sei kostenneutral, weil die Eintrittsgelder direkt in die Tilgung flössen. Man rechne mit einer Laufzeit von mindestens einem Jahrzehnt. Für die Verhandlungen zum kommunalen Finanzausgleich im Oktober sei das Projekt eine «gute Vorbereitung»: Alle Beteiligten könnten sich vorher noch einmal in Ruhe ansehen, worüber sie streiten.

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