Baden-Württemberg geht offline und lässt dafür sämtliche Serverräume mit Planen abhängen
Nach einer weltweiten PHP-Sicherheitslücke hat die Landesregierung nicht nur ihre Webseiten abgeschaltet, sondern die gesamte digitale Infrastruktur des Landes physisch verhüllt. Ministerien arbeiten wieder mit Aktenboten, Universitäten stellen auf Kreidetafeln um.
Stuttgart – Die Landesregierung von Baden-Württemberg hat als Reaktion auf eine weltweite Sicherheitslücke in der Programmiersprache PHP nicht nur ihre Webseiten vom Netz genommen, sondern sämtliche Serverräume der Ministerien und Regierungspräsidien mit schweren Baumwollplanen verhängt und die Türen mit Vorhängeschlössern gesichert. «Solange die Entwickler die Updates nicht bereitstellen, bleibt jeder Rechner in diesem Land unter Stoff», erklärte ein Sprecher des Staatsministeriums am Donnerstag. Die Maßnahme diene dem vorsorglichen Schutz der Infrastruktur.
Die Folgen treffen den Alltag der Behörden unmittelbar. In den Ministerien wurden Dienstwagen zu Aktenboten umfunktioniert, die zwischen den Referaten verschlossene Umschläge transportieren. Ein Regierungspräsidium richtete im Foyer eine Tafel mit Kreide ein, auf der Termine und Fristen von Hand notiert werden. Besucher, die nach einem Formular fragen, werden an einen Schalter verwiesen, an dem ein Beamter die Angaben mündlich aufnimmt und später in ein gebundenes Buch überträgt.
Auch die Universitäten haben ihre Seiten abgeschaltet und den Betrieb umgestellt. Die Uniklinik Freiburg betonte, die Patientenversorgung sei nicht betroffen, da man auf Papier umgestiegen sei. Die Universitätsklinika Heidelberg und Mannheim ließen mitteilen, es handle sich nicht um einen Cyberangriff, sondern um eine präventive Sicherheitsmaßnahme. Auf dem Campus wurden Vorlesungsverzeichnisse in Pappkästen ausgehängt, Studierende tragen sich in Listen ein, die anschließend von Hand kopiert werden.
Das Staatsministerium kündigte an, die Planen erst zu lüften, wenn die Sicherheitsupdates eingespielt sind. Bis dahin werde jede neue Webseite des Landes zunächst ausgedruckt und in einem verschlossenen Schrank im Keller des Ministeriums aufbewahrt.
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