Schlösserherbst eskaliert: Gutshausbesitzer bauen Ostseeküste in begehbares Denkmal um
Beim Schlösserherbst in Mecklenburg-Vorpommern wollen die Gutshausbesitzer nicht weniger als den gesamten Ostseeraum zur Kulturroute machen – mit Zäunen, Wachtürmen und Eintrittsbändern für jedes noch so kleine Herrenhaus.
Zum Auftakt des Schlösserherbstes in Mecklenburg-Vorpommern haben die Eigentümer der historischen Gutshäuser beschlossen, den gesamten Ostseeraum in ein einziges begehbares Denkmal zu verwandeln. Bis zum 8. November sollen alle vorhandenen Herrenhäuser, Schlösser und sogar Ruinen mit einem durchgehenden Besucherleitsystem verbunden werden, das von der Müritz bis nach Estland reicht.
Der Vorsitzende des Vereins Gutshäuser, Schlösser und Herrenhäuser Mecklenburg-Vorpommern, Manfred Achtenhagen, erklärte dazu in Ludorf: «Wir haben erkannt, dass man nicht einzelne Häuser verbinden kann, also verbinden wir einfach die gesamte Landschaft. Jeder Acker, jeder Feldweg und jeder Dorfplatz zwischen den Gutshäusern wird Teil der Route.» Dafür würden entlang der Strecke uniformierte Schlossführer postiert, die Besucher im Stundentakt von einem Herrenhaus zum nächsten weiterreichen.
Die neu gegründete Vereinigung Baltic Manors hat angekündigt, die Zertifizierung als Kulturroute des Europarates nicht mehr abzuwarten, sondern die Route bereits im April kommenden Jahres eigenmächtig zu eröffnen. Dazu werden in den beteiligten Ländern Polen, Litauen, Lettland, Estland, Dänemark und Schweden identische Hinweisschilder aufgestellt, die jeweils auf das nächste Gutshaus verweisen – notfalls über die Ostsee hinweg per Fährverbindung.
Die wissenschaftliche Begleitung durch das Herrenhauszentrum in Greifswald wurde angewiesen, die Route fortan als ein zusammenhängendes Forschungsobjekt zu betrachten. Ein Sprecher des Zentrums bestätigte, man werde die Besucherströme künftig mit Zählgeräten an jedem Tor erfassen und die Ergebnisse in die laufende Untersuchung einarbeiten. Für die betroffenen Dörfer bedeutet das neue Routekonzept, dass sämtliche Bushaltestellen in historische Wartehäuschen umgebaut und die Dorfstraßen mit Eintrittsbändern markiert werden.
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