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Kultur

Niedersachsen erklärt Pilzsammeln zum Kulturerbe: Sammler dürfen nur noch kniend ernten, Naturschutzgebiet wird zum Pilz-Museum mit Eintritt

Das Land Niedersachsen hat das Pilzsammeln per Erlass zum immateriellen Kulturerbe erhoben. Künftig darf nur noch kniend und mit spezieller Ausrüstung gesammelt werden. Das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide wird zum begehbaren Pilz-Museum mit Eintrittsgeld umgebaut.

Das Land Niedersachsen hat das Pilzsammeln mit sofortiger Wirkung zum immateriellen Kulturerbe erklärt und eine landesweite Pilz-Ernteordnung erlassen. Ab kommendem Wochenende darf in allen Wäldern nur noch kniend gesammelt werden, mit einem amtlich ausgegebenen Korb aus unbehandeltem Weidenholz, der vor jedem Betreten des Waldes an einer der neuen Pilz-Erfassungsstellen registriert werden muss.

Die Lüneburger Heide wird komplett zum begehbaren Pilz-Museum umgebaut. Wer dort künftig einen Steinpilz erblickt, muss ihn zunächst bei der neu geschaffenen Pilzaufsicht melden und eine Nummer ziehen. Erst nach Freigabe durch einen Mykologie-Beauftragten darf der Pilz mit einem speziellen Keramikmesser, das die Landesregierung für 89 Euro ausgibt, knapp über dem Boden abgetrennt werden. Das Naturschutzgebiet ist bereits autofrei, doch nun dürfen Besucher es nur noch auf Kutschfahrten betreten, die im 20-Minuten-Takt starten und von ausgebildeten Pilzführern begleitet werden.

Die Nachfrage ist enorm. Nach Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums wurden innerhalb von zwei Tagen mehr als 340.000 Korbregistrierungen gezählt. In Hannover bildeten sich Schlangen vor den Ausgabestellen, die bis in die Innenstadt reichten. Ministerpräsident Stephan Weil ließ sich kniend im Wald fotografieren und erklärte, das Sammeln sei nun «ein Staatsakt der Artenkenntnis».

Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie begrüßt die Regelung. «Endlich wird das Sammeln so ernst genommen wie das Wandern», sagte Rita Lüder. Kritik kommt von Pilzfreunden, die befürchten, dass die Pilze durch das viele Knien zertreten werden. Das Ministerium prüft bereits eine Verordnung, die das Tragen von Knieschonern vorschreibt.

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