Meyerhoff verlässt Burgtheater-Proben, um in Wien ein Genesungsstadion zu bauen
Joachim Meyerhoff bricht die Proben zu «König Ubu» ab und errichtet stattdessen auf dem Burgtheater-Vorplatz eine überdachte Arena für seine tägliche Gesundheitsübung. Das Ensemble probt derweil in voller Ubu-Montur auf der Straße.
Joachim Meyerhoff hat die Proben zu «König Ubu» am Wiener Burgtheater abgebrochen und auf dem Vorplatz des Hauses eine überdachte Arena errichten lassen, in der er von nun an täglich acht Stunden lang die Rolle des Vater Ubu trainiert, ohne das Stück jemals wieder zu proben.
Die Arena misst einhundertzwanzig Meter im Geviert, ist mit einer Zuschauertribüne für die gesamte Belegschaft des Theaters ausgestattet und wird von einem eigens engagierten Regieassistenten mit einem Megafon geleitet. Meyerhoff absolviert dort jeden Morgen um sechs Uhr eine Übung, die er «das gesunde Aufstehen» nennt: Er steht auf, setzt sich hin, steht wieder auf, und das so lange, bis das Ensemble die Premiere am 16. Oktober erreicht hat.
Das Burgtheater hat die Proben für «König Ubu» unterdessen auf die Straße verlegt. Stefanie Reinsperger, die ursprünglich Mutter Ubu spielen sollte, übernimmt nun die Rolle des Vater Ubu, während Sebastian Wendelin als Mutter Ubu in voller Montur über den Ring läuft und dabei lautstark den Text des Stücks rezitiert. Die Intendanz erklärt, man halte an der geplanten Premiere fest, weil das Stück ohnehin von einem König handle, der nicht mehr arbeiten könne.
Meyerhoff selbst lässt ausrichten, er werde die Arena nach der Premiere in ein dauerhaftes Gesundheitszentrum für Schauspieler umwandeln, in dem künftig jeder Darsteller vor jeder Vorstellung eine Stunde lang auf- und niedergehen müsse. Der Kartenvorverkauf für die Straßenaufführung hat begonnen; die ersten Reihen sind bereits ausverkauft.