Kölner Opern-Heimkehr: Publikum zieht für vierzehn Jahre Sanierungszeit in Warteschleifen-Bezirk um
Nach 14 Jahren Sanierung eröffnet die Kölner Oper am Offenbachplatz wieder. Doch statt eines schlichten Bürgerfests richtet die Stadt ein eigenes Warteschleifen-Viertel ein, in dem die sehnsüchtigen Opernfans bereits seit Monaten campieren, um ihre Plätze nicht zu verlieren.
Köln bezieht nach rund 14 Jahren Sanierungszeit wieder die Oper am Offenbachplatz – und weil niemand mehr weiß, wie man sich in einem geschlossenen Kulturhaus verhält, hat die Stadt kurzerhand das komplette Viertel um den Offenbachplatz in eine einzige Warteschleife verwandelt. Wer einen der begehrten Plätze zur Eröffnungspremiere des „Rosenkavalier“ ergattern will, muss seit dem 1. März in einem der 3.800 aufgestellten Campingzelte ausharren, die in konzentrischen Ringen um das Bühnenhaus angeordnet sind.
Die Warteschleifen-Verordnung, erlassen vom städtischen Amt für kulturelle Vorfreude, schreibt vor, dass jeder Opernbesucher mindestens 210 Tage Anwesenheit im Zelt nachweisen muss, bevor er die Schwelle zum neuen alten Haus übertreten darf. „Wir haben festgestellt, dass die Kölner das Warten verlernt haben“, erklärte Amtsleiterin Hildegard Wachtendonck am Montag. „Die Sanierung hat 14 Jahre gedauert, da kann man nicht einfach so zur Premiere erscheinen. Das wäre respektlos gegenüber dem Beton.“
Inzwischen hat sich um die Zelte eine eigene Infrastruktur gebildet: Drei Bäckereien, zwei Krankenstationen und ein Standesamt haben im Warteschleifen-Bezirk eröffnet, weil 14 Paare ihre Hochzeit in die Wartezeit gelegt haben. Die Stadt prüft derzeit, ob die Zelte auch über den Saisonstart hinaus stehen bleiben dürfen, damit die Opernfans direkt für die Wagner-Premiere in Düsseldorf weitermarschieren können. „Wir haben gelernt, dass Vorfreude ein Dauerzustand sein kann“, so Wachtendonck, „und dass man sie am besten in Zeltform organisiert.“