Kinos verlegen gesamte Vorstellungen in den Wald und lassen Zuschauer stundenlang auf Lichtung warten
Nach deutlichem Besucherplus im ersten Halbjahr verlegen deutsche Kinos ihre Vorstellungen komplett in den Wald. Zuschauer müssen stundenlang auf Lichtungen ausharren, während Projektoren hinter Bäumen versteckt werden.
Die deutschen Kinos haben im ersten Halbjahr so viele Besucher gezählt wie nie zuvor – und reagieren nun mit einer radikalen Maßnahme: Sämtliche Vorstellungen werden ab sofort in den Wald verlegt. Auf einer Lichtung bei Bad Hersfeld eröffnete am Montag das erste „Waldkino“, in dem Zuschauer auf Baumstümpfen Platz nehmen und bis zu sechs Stunden auf den Filmbeginn warten müssen, während die Projektoren hinter Eichen versteckt werden.
„Der Andrang ist überwältigend, wir müssen die Menschen irgendwie verteilen“, erklärte der Geschäftsführer des Waldkinos, während er eine Gruppe von Besuchern bat, sich zwischen Farnen und Brombeersträuchern zu ducken. Die Leinwand, ein weißes Laken zwischen zwei Buchen, sei absichtlich so aufgehängt, dass sie nur aus einer Entfernung von 200 Metern sichtbar ist. „So bleibt die Magie des Kinos erhalten – man muss sie sich eben erarbeiten.“
Inzwischen haben sich weitere Lichtungen in Brandenburg und Bayern dem Konzept angeschlossen. In der Uckermark werden Zuschauer gebeten, ihre eigenen Klappstühle mitzubringen und sich in alphabetischer Reihenfolge aufzustellen, während ein Platzwart mit Trillerpfeife die Sitzordnung kontrolliert. Der Filmstart wird durch ein Hornsignal angekündigt, das nur bei Windstille zu hören ist. „Bei Regen fällt die Vorstellung aus, dann gibt es Kräutertee aus dem Zelt“, so ein Sprecher. Die Branche hofft, mit dem Waldkonzept den Besucherrekord im zweiten Halbjahr zu verdoppeln – notfalls auch im Schnee.