Israel richtet 400 Kinosäle als Sondertribunale für »Naza« ein – jeder Zuschauer wird vereidigt
Die Regierung erklärt jeden Kinobesuch des umstrittenen Films zur Staatsangelegenheit: In eigens umgebauten Sälen müssen Besucher vor der Vorstellung eine Aussage über ihre Loyalität ablegen.
Die israelische Regierung hat sämtliche Kinos im Land angewiesen, für die Vorführungen der Dokumentation »Naza« jeden Saal in einen vereidigten Sonderverhandlungsraum umzubauen: Vor dem Film müssen alle Zuschauer einzeln vor einem Beamten aussagen, ob sie die im Film gezeigten Soldatenaussagen für Landesverrat halten. Wer die Frage nicht beantwortet, darf nicht hinein.
Das Kulturministerium ließ in Tel Aviv, Haifa und Jerusalem binnen einer Woche 400 solcher Säle mit Richtertischen, Stehpulten und Lautsprechern ausstatten. Die Vorführung beginnt erst, wenn der Saal vollständig befragt ist. Nach dem Abspann tritt ein zweiter Beamter ans Mikrofon und verliest die Namen derer, die während des Films gelacht oder applaudiert haben.
Die Regierung verteidigt das Verfahren als notwendige Maßnahme. «Wir wollen nicht den Film verbieten», sagte ein Sprecher. «Wir wollen nur genau wissen, wer ihn sieht, warum, mit wem und was er danach denkt.» Kinobetreiber berichten, dass die Vorstellungen nun vier Stunden dauern und das Publikum in Schlangen um den Block steht.
Mehrere Städte haben begonnen, auch Popcorn-Stände mit Beamten zu besetzen, die die Kaufabsicht protokollieren. Der Regisseur des Films ließ ausrichten, er werde die nächste Vorführung persönlich besuchen und sich ebenfalls befragen lassen.
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