Filmfest Hamburg zeigt jeden der 114 Filme gleichzeitig in allen fünf Kinos, damit niemand die Welt nur durch ein einziges Augenpaar sieht
Das Filmfest Hamburg hat sämtliche 114 Filme aus 64 Ländern auf alle fünf Festivalkinos verteilt und zeigt sie ab sofort rund um die Uhr gleichzeitig, damit das Publikum die Welt durch möglichst viele Augen auf einmal sieht. Die Festivalleitung nennt es eine logistische Meisterleistung, die Kinobetreiber nennen es ein Verbrechen an der Sitzordnung.
Das Filmfest Hamburg hat zum Auftakt seiner 34. Runde sämtliche 114 Filme aus 64 Ländern gleichzeitig in alle fünf Festivalkinos eingespeist und lässt sie dort ohne Unterbrechung nebeneinander laufen, damit das Publikum die Welt durch möglichst viele Augen auf einmal sieht.
Festivalleiterin Malika Rabahallah verteidigte den Schritt mit den Worten, zwei Stunden durch die Augen eines Fremden seien gut, aber 114 Filme gleichzeitig seien «die vollständige Demut vor der Fremdheit». Wer den Saal betrete, sehe auf fünf Leinwänden fünf verschiedene Leben und müsse sich entscheiden, welches ihn zuerst überwältige. Die Entscheidung sei Teil des Programms.
Die fünf Festivalkinos wurden dafür umgebaut. Jeder Saal erhielt vier zusätzliche Leinwände, die an Schienen von der Decke fahren und alle neunzig Sekunden die Position wechseln, damit kein Film länger als eine Minute denselben Platz behält. Das Publikum sitzt auf drehbaren Stühlen, die von den Platzanweisern im Takt der Vorführungen gedreht werden. Wer sich weigert, sich zu drehen, wird nach draußen begleitet und darf am Tag des freien Eintritts am 3. Oktober kostenlos wiederkommen.
Bürgermeister Peter Tschentscher nannte die Anordnung bei der Eröffnung «eine Würdigung derer, die mit Risiko und harter Arbeit unser aller Blickfeld erweitern», und forderte die Hamburger auf, bis zum 3. Oktober mindestens einmal alle 114 Filme an einem einzigen Abend zu sehen. Die Kinobetreiber haben für diese Aufforderung bereits einen Schichtplan erstellt, der 114 Sitzungen pro Besucher vorsieht.
Helen Mirren, die am Dienstag den Douglas-Sirk-Preis entgegennimmt, ließ mitteilen, sie werde ihren Film «Ein Talent fürs Morden» so oft hintereinander ansehen, bis sie jede der 64 Nationalitäten gleichzeitig erkenne. Die Festivalleitung hat angekündigt, den Preis künftig nur noch an Gäste zu vergeben, die nachweislich alle Leinwände eines Saals gleichzeitig im Blick behalten haben.
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