Festival „Jamel rockt den Förster“ lässt Besucher vor Einlass dreistündigen Demokratie-Nachweis ablegen
Zum 20-jährigen Jubiläum verschärft das Festival gegen Rechtsextremismus seine Einlasskontrollen: Jeder Gast muss vor dem Betreten des Geländes einen mündlichen Demokratie-Nachweis ablegen. Wer die Fragen nicht besteht, wird von geschulten Prüfern auf der Wiese nachgeschult.
Jamel – Das Festival „Jamel rockt den Förster“ eröffnet sein Jubiläumswochenende mit einer neuen Einlassprozedur: Jeder der erwarteten 2.500 Gäste pro Tag muss vor dem Betreten des Geländes einen mündlichen Demokratie-Nachweis ablegen. Prüfer in Warnwesten fragen die Besucher ab, welche Grundrechte im Grundgesetz stehen und warum die AfD keine demokratische Partei ist. Wer drei Fragen falsch beantwortet, wird nicht abgewiesen, sondern auf einer eigens errichteten Wiese neben dem Parkplatz nachgeschult.
Die Nachschulung dauert mindestens drei Stunden und umfasst ein Rollenspiel, in dem die Teilnehmer eine Gemeinderatssitzung simulieren, bei der ein Neonazi-Grundstückskauf verhindert werden muss. Erst nach bestandener Prüfung erhalten die Gäste ein gelbes Bändchen mit der Aufschrift „Geprüfte Demokratin“ beziehungsweise „Geprüfter Demokrat“. Festivalgründer Horst Lohmeyer erklärte, man wolle nicht länger zulassen, dass Menschen ungeprüft seine Scheune betreten: „Wer hier tanzen will, muss vorher wissen, wogegen er tanzt.“
Die Prüfkommission besteht aus zwölf pensionierten Verwaltungsjuristen aus Schwerin, die seit Dienstag in einem Zelt am Dorfeingang kampieren. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, die zur Eröffnung erwartet wird, muss sich nach Angaben des Veranstalters selbst der Prüfung unterziehen. Für sie sei ein Sondertermin am frühen Morgen angesetzt, damit die Warteschlange nicht ins Stocken gerate. Die Bandnamen werden weiterhin bis zum Bühnenauftritt geheim gehalten, die Prüfungsfragen jedoch wurden bereits am Mittwoch auf der Festival-Website veröffentlicht, damit sich niemand auf mangelnde Vorbereitung berufen kann.