Brandenburg verlegt gesamte Stipendienvergabe in den Wald und lässt Bewerber um Bäume tanzen
Das Kulturministerium Brandenburgs hat seine Stipendienvergabe komplett neu organisiert: Statt Unterlagen einzureichen, müssen Bewerber nun eine Woche lang im Wald leben und um ausgewählte Bäume tanzen. Die Jury bewertet Ausdauer, Hingabe und die Fähigkeit, bei Regen nicht zu fluchen.
Potsdam – Das Brandenburger Kulturministerium hat die Vergabe seiner Literatur-, Kunst- und Musikstipendien mit sofortiger Wirkung in den Wald verlegt. Bewerber müssen fortan sieben Tage und Nächte in einem abgelegenen Kiefernforst bei Chorin verbringen und dort um jeweils einen persönlich zugewiesenen Baum tanzen, bis die Jury von ihrer künstlerischen Ernsthaftigkeit überzeugt ist.
„Die Akte lügt, der Tanz nicht“, sagte Ministerin Dr. Helga Wandelmaier bei der Eröffnung des ersten Durchgangs, während sie selbst eine Ehrenrunde um eine besonders knorrige Eiche drehte. Die 38 zugelassenen Bewerber tragen einheitliche graue Filzanzüge und dürfen weder Handy noch Notizbuch mitführen; ihre künstlerischen Ideen müssen sie in den Boden ritzen oder dem Baum zuflüstern, der sie später bewerten soll.
Die Juroren, drei pensionierte Gymnasiallehrer und eine Flötistin, campieren in Zelten am Waldrand und beobachten die Tänze durch Ferngläser. Bewertet werden Ausdauer, Hingabe und die Fähigkeit, bei strömendem Regen nicht zu fluchen. Wer nachts schlafen will, muss vorher eine Choreografie der eigenen Biografie aufführen; wer das verweigert, scheidet aus und muss den Wald noch am selben Tag zu Fuß in Richtung Eberswalde verlassen.
Erste Zwischenfälle gab es bereits: Ein Komponist aus Frankfurt (Oder) tanzte versehentlich um den Baum seines Konkurrenten und wurde daraufhin von zwei Forstbeamten zum Umtanzen des eigenen Stamms eskortiert. Das Ministerium kündigte an, den Wald künftig auf 200 Hektar zu erweitern und auch eine Lichtung für Bildhauer einzurichten, die dort Steine umarmen müssen.