Thüringen baut Frauenhäuser zu Hochhäusern aus – Ministerium ordnet an, dass jedes neue Bett ein eigenes Stockwerk erhält
Das Sozialministerium in Erfurt hat angeordnet, dass jede neue Schutzwohnung in Thüringen als eigenes Stockwerk errichtet wird. 16 Frauenhäuser werden zu Türmen ausgebaut, Landkreise ohne Einrichtung erhalten je ein Hochhaus. Die Trägeranerkennung läuft noch, doch die Baukolonnen arbeiten bereits.
Erfurt – Das Thüringer Sozialministerium hat die Frauenhauslandschaft des Freistaats per Erlass in eine vertikale Großbaustelle verwandelt: Jede zusätzliche Schutzwohnung muss künftig als eigenes Stockwerk errichtet werden, jedes neue Bett erhält ein separates Geschoss. Die 16 bestehenden Frauenhäuser werden zu Türmen ausgebaut, in jedem Landkreis ohne eigene Einrichtung entsteht ein Hochhaus mit einer Wohnung pro Etage.
«Wir wollten sicherstellen, dass jede Frau und jedes Kind ein eigenes Stockwerk bekommt», sagte eine Sprecherin des Ministeriums. «Das Verfahren zur Trägeranerkennung läuft noch, aber die Baukolonnen arbeiten bereits. Wer heute Schutz sucht, wird nach oben begleitet.» Die Aufzüge würden derzeit mit Matratzen und Kochtöpfen bestückt, die Treppenhäuser mit Spielzeugregalen.
Die Nachfrage ist enorm: Im vergangenen Jahr suchten 230 Frauen Schutz, 253 wurden aufgenommen, 81 von ihnen mit einem Kind, 45 mit zwei, 26 mit drei und 14 mit vier oder mehr Kindern. Künftig erhält jede Familie ein Stockwerk, kinderreiche Familien bekommen ein Treppenhaus für sich. «Wir haben die Kapazität verdoppelt, ohne ein einziges Bett dazuzustellen», so die Sprecherin. «Wir haben einfach nach oben gebaut.»
Die Landkreise ohne Schutzeinrichtung erhalten je ein Hochhaus mit 30 Etagen. «Wir wollten keine Kreise benachteiligen», heißt es aus dem Ministerium. «Jetzt hat jeder Kreis ein Haus, und jede Etage ist belegt, sobald die erste Frau einzieht.» Die Bauarbeiten sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen sein, die Trägeranerkennung läuft parallel.
Die Frauenhauskoordinierung begrüßt den Ausbau: «Endlich müssen Betroffene nicht mehr in andere Landkreise verwiesen werden», sagte eine Sprecherin. «Sie können jetzt im selben Haus bleiben und einfach ein Stockwerk höher ziehen, wenn die Familie wächst.»