Sachsen-Anhalt richtet Wartezimmer für künftige Landtagswahlen ein
Angesichts des anhaltenden Bevölkerungsschwunds hat Sachsen-Anhalt ein zentrales Wartezimmer für alle künftigen Wahlen eingerichtet. Wer bis 2040 wegzieht, kann dort trotzdem wählen – und bekommt ein kostenloses Sekttrösterchen.
Magdeburg – Sachsen-Anhalt hat vorgesorgt: Im Erdgeschoss des Landtagsgebäudes wurde ein zentrales Wartezimmer für sämtliche Landtagswahlen bis 2040 eingerichtet. Wer das Bundesland verlassen hat oder noch nicht geboren ist, kann dort künftig seine Stimme abgeben, sobald er oder sie vorbeischaut. Die Wartemarke gilt ein Leben lang.
Das Wartezimmer ist mit Sitzbänken aus Hasseröder-Bierkisten und einer Theke ausgestattet, an der Rotkäppchen-Sekt in kleinen Plastikbechern ausgeschenkt wird. „Wer geht, kommt wieder“, sagte der zuständige Wahlkoordinator und deutete auf eine Tafel, auf der die voraussichtlichen Einwohnerzahlen bis 2040 notiert sind. „Wir rechnen mit einer halben Million Rückkehrern, die hier ihre Kreuzchen machen wollen. Dafür haben wir die Öffnungszeiten bis Mitternacht verlängert.“
Die ersten Wartenden haben sich bereits eingefunden: Eine Frau aus Halle, die 2019 nach Bayern zog, zeigte ihre Wartemarke mit der Nummer 1.783.452. „Ich wollte eigentlich nur kurz den Sekt probieren“, sagte sie, „aber jetzt bleibe ich bis zur Wahl.“ Das Wartezimmer wird von einem Team aus ehemaligen Chemiekombinat-Arbeitern betreut, die nach der Wende arbeitslos wurden und nun neue Beschäftigung gefunden haben. Sie tragen weiße Kittel und verteilen Broschüren über die Himmelsscheibe von Nebra.
Bis zur Wahl am 6. September werden weitere Wartebänke aufgestellt, um den Andrang zu bewältigen. Die Landesregierung prüft derzeit, ob auch die Bauhaus-Designschule in Dessau als Außenstelle genutzt werden kann. „Wir haben genug Platz für alle, die kommen“, so der Koordinator, „und für alle, die bleiben.“