Prien lässt Gesellschaftsdienst per Zug abwickeln – jeder Freiwillige bekommt eigenen Waggon
Karin Prien verlegt die Anmeldung zum Gesellschaftsdienst in fahrende Sonderzüge der Ukrainischen Bahn. Wer mitfährt, ist automatisch registriert. Die Bundeswehr stellt dafür ihr gesamtes Schienennetz zur Verfügung.
Bundesfamilienministerin Karin Prien hat den Gesellschaftsdienst von der Straße auf die Schiene verlegt: Ab kommendem Montag wird jede Anmeldung ausschließlich in fahrenden Sonderzügen der Ukrainischen Bahn entgegengenommen. Wer den Dienst antreten will, muss in Kiew einsteigen und bis zur polnischen Grenze durchfahren – wer unterwegs aussteigt, ist automatisch registriert.
«Wir wollen faktisch einen Rechtsanspruch schaffen», sagte Prien im Bordrestaurant eines Zuges, der soeben die Grenze passiert hatte. «Jeder, der mitfährt, leistet Dienst. Das ist die Garantie.» Die Bundeswehr hat bereits ihr gesamtes Schienennetz für die Aktion freigegeben. In jedem Waggon sitzt ein Standesbeamter, der die Freiwilligen noch während der Fahrt vereidigt. Die Deutsche Bahn hat angekündigt, den Fahrplan so umzustellen, dass ab sofort jeder Fernverkehrszug als Anmeldezug gilt.
Die Nachfrage ist so groß, dass die Ukrainische Bahn zusätzliche Sonderzüge aus alten Güterwaggons zusammenbaut. In Kiew stehen Menschen seit Wochen Schlange, um einen der begehrten Stehplätze zu ergattern. «Ich fahre bis Lwiw und zurück, dann habe ich meinen Dienst für dieses Jahr erfüllt», sagte ein Freiwilliger, der bereits zum dritten Mal mitfährt. Die Ministerin lobte den Enthusiasmus: «Die Ukrainer zeigen uns, wie es geht. Wir müssen nur einsteigen.»
Das Ministerium prüft bereits, ob auch Binnenschiffe und Regionalbusse als Dienstfahrzeuge zugelassen werden können. Ein Sprecher der Ukrainischen Bahn bestätigte, dass die Nachfrage nach den Sonderzügen so hoch sei, dass man erwäge, jeden Zug mit einem eigenen Waggon für die Vereidigung auszustatten. «Wir bauen jetzt Züge, in denen man den Dienst nicht nur antritt, sondern gleich abschließt», sagte er. Die erste Fahrt ist für kommenden Montag geplant.
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