Münchner Studenten bauen 30-Quadratmeter-Wohnung nach Chemnitz ab und tragen sie über die A9
Weil die BAföG-Pauschale nur in Chemnitz reicht, zerlegen Münchner Studierende ihre Musterwohnung in Einzelteile und transportieren sie in einer Fußwallfahrt über die Autobahn nach Sachsen – 2027 sollen alle Hochschulstandorte folgen.
München. In einer beispiellosen Aktion haben Studierende der Ludwig-Maximilians-Universität ihre 30-Quadratmeter-Musterwohnung eigenhändig abgebaut, auf 412 Handwagen verladen und über die Autobahn 9 in Richtung Chemnitz geschoben. Die Wohnung, die laut Studentenwohnreport 2026 in München rund 880 Euro monatlich kostet, soll dort wieder aufgebaut werden, wo die BAföG-Wohnkostenpauschale von 380 Euro tatsächlich die volle Miete deckt.
Die Aktion ist eine Reaktion auf die jüngste Erhöhung der Wohnkostenpauschale, die erst zum Sommersemester 2027 von 380 auf 440 Euro steigen soll. «Wir haben beschlossen, nicht länger auf die Politik zu warten», erklärte eine Sprecherin des neu gegründeten Aktionsbündnisses «Wohnung summt». «Wenn unsere Wohnung in Chemnitz steht, studieren wir eben dort – und pendeln mit dem Semesterticket nach München.» Die Universität München hat bereits angekündigt, die Vorlesungen künftig als Live-Übertragung in die Chemnitzer Musterwohnung zu senden.
Die Aktion hat eine Lawine ausgelöst. In Berlin, Frankfurt und Hamburg haben sich ebenfalls Studierende zusammengeschlossen, um ihre Musterwohnungen zu zerlegen und nach Chemnitz zu karren. Die Stadt Chemnitz rechnet mit einem Zustrom von mehreren tausend Studierenden und hat auf dem ehemaligen Parkplatz der Stadthalle ein provisorisches Wohnungs-Containerlager errichtet. Der Mietpreis für ein WG-Zimmer in Chemnitz ist innerhalb einer Woche von 220 auf 390 Euro gestiegen.
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt sich alarmiert: «Wenn die Wohnungswanderung anhält, wird der Wohnungsmarkt in Chemnitz bald genauso teuer wie in München», warnte ein Sprecher. Die Koalition in Berlin hat für kommende Woche eine Sondersitzung angesetzt, um über eine Erhöhung der Wohnkostenpauschale auf 880 Euro zu beraten. Bis dahin rollen die Handwagen weiter – die nächste Lieferung aus Heidelberg wird am Freitag erwartet.
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