Bahnhof Ravensburg richtet Dauerwartesaal für Gleis-Spaziergänger ein
Nach dem Prozessauftakt gegen eine Mutter, die mit ihrer Tochter vor einem herannahenden Zug auf den Gleisen stand, hat die Deutsche Bahn einen eigenen Wartebereich für Gleis-Spaziergänger eingerichtet. Die Wartenden erhalten Kopfhörer und eine persönliche Einweisung in die Gleisordnung.
Die Deutsche Bahn hat am Bahnhof Ravensburg einen eigenen Warteraum für Gleis-Spaziergänger eröffnet. Reisende, die beabsichtigen, mit Angehörigen die Gleise zu betreten, können sich dort künftig vorab in eine Warteliste eintragen und erhalten eine persönliche Einweisung in die Gleisordnung. Der Raum ist mit Sitzbänken, einem Getränkeautomaten und einem Regal mit Broschüren über die Vorzüge des Schienenverkehrs ausgestattet.
Hintergrund ist der laufende Prozess gegen eine 34-Jährige, die im Februar mit ihrer vierjährigen Tochter auf den Gleisen stand, als ein Zug herannahte. Zeugen konnten die beiden in letzter Sekunde retten. Die Bahn reagiert nun mit einem eigenen Serviceangebot: „Wir möchten allen Gleis-Spaziergängern die Möglichkeit geben, ihren Aufenthalt künftig planbarer zu gestalten“, sagte ein Sprecher. Die Wartenden erhielten auf Wunsch Kopfhörer, damit sie den herannahenden Zug nicht hören müssten, und eine Tasse Kaffee.
Der Warteraum ist täglich von 6 bis 22 Uhr geöffnet. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, die Wartenden werden in der Reihenfolge ihres Eintreffens auf die Gleise geführt. Ein Mitarbeiter des Bahnhofs überwacht die Warteliste und gibt Hinweise zur optimalen Positionierung zwischen den Schienen. Die ersten Nutzer zeigten sich zufrieden: „Endlich wird unser Anliegen ernst genommen“, sagte eine Frau, die mit ihrem Sohn auf den nächsten Zug wartete. Die Bahn prüft bereits, den Service auf weitere Bahnhöfe in Baden-Württemberg auszuweiten.